Katze aus dem Tierheim adoptieren: Katzenpsychologin gibt 7 Tipps zur Eingewöhnung

katze aus dem tierheim

Miau, nimmst Du mich mit nach Hause? Wer eine Katze aus dem Tierheim adoptiert, leistet einen aktiven Beitrag zum Tierschutz, bekommt aber auch eine „Samtpfote mit Vorgeschichte“. In diesem Artikel verrät unsere Katzenpsychologin ihre besten Tipps und Tricks zur Eingewöhnung einer Tierheimkatze.

Es gibt viele gute Gründe, weshalb es sich lohnt einer Katze aus dem Tierheim eine Chance auf ein neues Zuhause zu geben. Der wohl wichtigste ist: Das Angebot ist höher als die Nachfrage! Angesichts vieler verschiedener Samtpfoten in allen Farben und Altersstufen, gibt es wohl kaum einen besseren Ort, um die perfekte Seelenkatze für sich zu finden.

Doch jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. So kann es vorkommen, dass der Stubentiger aus zweiter Hand sich in seiner neuen Umgebung anfangs etwas schwer tut, sich zum Beispiel zurückzieht, oder das Fressen verweigert. Zwar gibt es Tricks, die sich in solchen Fällen bewährt haben, doch grundsätzlich gilt:

Der Schlüssel, um das Vertrauen und das Herz einer Katze zu gewinnen, sind gemeinsame Rituale!

Was ist außerdem wichtig für die ersten Wochen des Zusammenlebens? 7 Tipps für alle, die gerade eine Tierheimkatze eingewöhnen.

1. Wenn die Katze aus dem Tierheim kommt: Besuch beim Tierarzt ist Pflicht

Warum soll eine Katze zum Arzt, wenn sie nicht offensichtlich krank ist? Dazu muss man wissen, dass es in einem Tierheim nicht selten sprichwörtlich „drunter und drüber“ geht. Oft herrscht Personalnot und die verbliebenen Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun, den vielen Tieren so gut es geht gerecht zu werden.

In solch einer Gemengelage fallen vor allem kleinere gesundheitliche Probleme nicht immer sofort auf. Wenn viele Katzen auf kleinem Raum zusammenleben, sind etwa Parasiten wie Milben und Flöhe keine Seltenheit. Auch können Probleme mit den Zähnen bestehen – wer sie rechtzeitig behandeln lässt, kann der Katze nicht nur einiges an Schmerzen ersparen: Kleinere Zahnprobleme frühzeitig behandeln zu lassen ist deutlich günstiger, als eine komplette Zahnsanierung!

Es empfiehlt sich, beim ersten Tierarztbesuch die Katze auch chippen und impfen zu lassen, sofern das bisher nicht erfolgt ist.

2. Gemeinsame Rituale zu etablieren schafft Vertrauen

Katzen geht es wie uns Menschen: Routinen schaffen Gewöhnung, Gewohntes schafft Vertrauen! Um einer Katze aus dem Tierheim das Einleben zu erleichtern, bieten Rituale eine ideale Unterstützung.

Wie lassen sich gemeinsame Rituale konkret gestalten? Es beginnt bei der Fütterung: Wenn wir eine Katze regelmäßig füttern, übernehmen wir für sie die Rolle einer Mutter (oder eines Vaters).

Der Fütterung kommt also eine Bedeutung zu, die über die bloße Nahrungsaufnahme hinaus geht. Wer sich im Haushalt vordergründig um den neuen Mitbewohner kümmern wird, sollte darum in den ersten Wochen die Fütterung übernehmen. Diese sollte zweimal pro Tag um die gleiche Uhrzeit stattfinden. Idealerweise wird ein Katzenfutter gefüttert, das reich an tierischen Proteinen ist und möglichst wenig Getreide und andere unnötige Zusätze enthält.


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Wichtig zu wissen: Rituale können selbstverständlich auch in anderen Lebensbereichen der Katze nützlich sein. Regelmäßige Spiel- und Streicheleinheiten, die immer um die selbe Zeit stattfinden, fördern einen zirkadianen Rhythmus beim Tier, der an den des Menschen angelehnt ist. So lässt sich zum Beispiel nächtliches Miauen vermeiden.

3. Den Lebensbereich zu Anfang lieber klein halten

Eine komplett neue Umgebung kann schnell überfordernd sein. Um den Stress für eine Katze aus dem Tierheim so gering wie möglich zu halten, sollte in der ersten Woche im neuen Zuhause der Lebensbereich eher klein sein.

Ob in der kleinen Mietwohnung, oder im mehrgeschossigen Einfamilienhaus: In den ersten sieben Tagen im neuen Zuhause sollte eine Katze nur Zugang zu einem, oder maximal zwei Zimmern, haben.

Idealerweise sollten dies Wohnbereiche sein, an denen man sich selbst auch gern aufhält, etwa das Wohnzimmer. So fällt es Haltern leicht, besonders viel Zeit in der Nähe des Tieres zu verbringen.

Soll die neue Samtpfote Freigänger werden, empfiehlt es sich mit ersten Erkundungen in die Natur mindestens 14 Tage zu warten, denn auch hier gilt: Zu viele neue Eindrücke können leicht überfordernd auf wirken.

4. Katzenminze oder Baldrian verwenden

Was ist das besondere an Katzenkräutern, wie Baldrian und Katzenminze? Sowohl Katzenminze als auch Baldrian üben eine starke Wirkung auf Katzen aus, die sich im Bereich der Pheromone abspielt.

Pheromone sind Duftstoffe, die ihre Wirkung im Hormonhaushalt entfalten. Bei vielen Katzen sorgen die Kräuter für starke Emotionen, die mit denen des Verliebtseins beim Menschen vergleichbar sind. Das liegt an bestimmten Verbindungen in den Molekülen der Pflanzen, die den Sexuallockstoffen von Katzen chemisch ähnlich sind.

Spielzeuge mit Baldrian oder Katzenminze können darum eine interessante Möglichkeit bieten, dem Wohlfühlfaktor einer Katze im neuen Zuhause einen Pluspunkt zu verleihen. Katzenhalter sollten diese besonderen Spielzeuge nach einer Spielzeit von 15 Minuten allerdings erst einmal wieder verschwinden lassen.


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5. Wohlfühl-Sprays für die Wohnung: Was ist von ihnen zu halten?

Es gibt Sprays und Duftstecker im Tierhandel, die sensiblen und besonders ängstlichen Katzen helfen können, in stressigen Situationen ruhig und gelassen zu bleiben. Meine Erfahrungen mit diesen Produkten sind durchwachsen: Einige Katzen reagieren mit einer deutlich sichtbaren körperlichen Entspannung auf die Inhaltsstoffe, auf andere scheinen sie keine Wirkung zu haben.

Aus der Beratung von Haltern mit ängstlichen Katzen heraus würde ich sagen, dass rund die Hälfte aller Katzen eine positive Reaktion auf Mittel wie Feliway zeigen – ob es bei der eigenen Katze funktioniert, lässt sich nur durch ausprobieren herausfinden. Wenn sich die Tierheimkatze anfangs viel versteckt, kann sich die Anschaffung eines Duftsteckers durchaus lohnen.


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6. Einfühlungsvermögen und Geduld

Jede Katze aus dem Tierheim hat eine Vergangenheit. Leider können uns Katzen nicht erzählen, was sie in ihrem früheren Leben erlebt haben. Es ist darum wichtig, dass wir besonders anfangs nachsichtig und liebevoll mit ihnen umgehen.

Hierbei gibt es einiges zu beachten: Katzen fressen zum Beispiel nur, wenn sie sich sicher fühlen. Darum ist es so typisch, dass eine neue Katze das Fressen verweigert, solange man sich mit ihr im gleichen Raum befindet.

Hat das Tier bereits ein wenig Vertrauen in ihre neuen Menschen gefasst, kann gezielter Augenkontakt helfen, ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit beim Tier zu erzeugen.


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7. Wenn sich die Tierheimkatze nach mehreren Tagen noch versteckt

Versteckt sich eine Katze aus dem Tierheim auch nach mehreren Tagen noch häufig, ist eine vorsichtige Annäherung empfehlenswert. Dadurch kann das Eis langsam gebrochen werden. Solch einen Versuch startet man idealerweise damit, indem man mit dem Tier leise spricht. So gewöhnt sich die Katze auch besser an die Stimmen ihrer Halter.

Einige Katzenleckerlies, oder ein interessantes Spielzeug, können in dieser Situation ebenfalls gute Dienste erweisen. Futter, Wasser und das Katzenklo sollten in dieser Zeit trotzdem noch nahe beieinander stehen, damit die Katze alles gut erreichen kann, auch wenn sie noch einige Ängste hat.

Es ist wichtig, das Sicherheitsbedürfnis einer Katze nicht zu überstrapazieren: Signalisiert die Samtpfote, dass sie Ruhe möchte, sollte man das respektieren und lieber zu einem späteren Zeitpunkt einen neuen Annäherungsversuch starten.

Auch Rassekatzen suchen im Tierheim ein Zuhause!

Wer denkt, dass im Tierheim nur ungewollte Hauskatzen landen, der irrt: Inzwischen warten in den Einrichtungen auch immer mehr Rassekatzen darauf, endlich ihr Für-immer-Zuhause zu finden.

Und wer weiß: Vielleicht funkt es beim Tierheimbesuch bei einer ganz gewöhnlichen Feld, Wald und Wiesen Katze viel stärker, als es bei einer bildschönen Langhaarkatze vom Züchter jemals der Fall gewesen wäre?

Im Tierheim gilt: Katzen suchen sich ihre Menschen aus, nicht umgekehrt!

 

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