Manche Katzen können keine Gefühle ausdrücken, weshalb das unsere Schuld ist

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Die Zucht von Haustieren ist häufig mit dem Ziel verbunden maximale Niedlichkeit zu erzeugen. Bei manchen Rassekatzen kommt es deshalb zu körperlichen Beeinträchtigungen. Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass es wohl auch um die Fähigkeit zum Ausdruck von Emotionen schlecht bestellt sein könnte bei den Tieren.

Im Dezember wurde in der Zeitschrift Frontiers of Veterinary Science ein Artikel veröffentlicht, der Fans von Rassekatzen wie Perser oder Britisch Kurzhaar aufhorchen lassen dürfte.

Insbesondere in der Zucht von Perserkatzen werde überwiegend der genannte brachyzephale Gesichtstyp in bevorzugt, also Katzen mit einem abgeflachten, rundlichen Gesicht. Die gezielt gezüchtete Anomalie scheint es für die Tiere unmöglich zu machen, Emotionen wie Angst oder Schmerz zutreffend zum Ausdruck zu bringen.

Katzen mit schmerzverzerrtem Gesicht

Der Gesichtsausdruck der Katzen würde auf Schmerz hindeuten, selbst dann wenn die Tiere gar keinen solchen hätten. Im Umgang mit den Tieren kann das durchaus problematisch sein:

Katzenhaltern sei es laut der Studienleiterin Dr. Lauren Finka nahezu unmöglich zu erkennen, ob ihr Tier tatsächlich Schmerzen habe.

Die Postdoktorandin der Nottingham Trent University in England erklärt:

„Dieses Ergebnis war ein echter Augenöffner für mich. Ich hatte nicht erwartet, dass brachyzephale Typen schmerzähnliche Gesichtsausdrücke haben würden.“

Es ist eine der weltweit ersten Studien, die sich gezielt mit der Frage beschäftigt hat, inwieweit die Zucht die Kommunikationsfähigkeit von Rassekatzen beeinflussen könnte. Um diese Frage zu beantworten, analysierten Finka und ihre Kollegen mithilfe eines Computeralgorithmus Gesichtsdaten von mehr als 2.000 Katzenfotos und wiesen jedem eine Punktzahl von „neutral“ bis „voll“ zu.

Verglichen wurden Aufnahmen von Katzen verschiedener Rassen mit mutmaßlich neutralen Gesichtsausdrücken mit denen von gewöhnlichen Hauskatzen, die eindeutig grimmig schauten – etwa, weil die Aufnahmen kurz nach einer Routineoperation entstanden waren.

Die Wissenschaftler entdeckten bei diesem Vergleich, dass Katzen bestimmter Rassen durchweg einen permanent grimmigen Gesichtsausdruck zeigen, der auf Schmerzen schließen lässt – selbst dann, wenn die Tiere während der Aufnahmen nachweislich völlig entspannt waren.

Warum lieben Menschen ausgerechnet solche Katzen?

Dazu gibt es bislang nur Vermutungen. Eine Erklärung hat Dr. Finka:

„Wir haben womöglich eine angeborene Schwäche für schmerzähnliche Merkmale bei Tieren, weil sie in uns den Wunsch wecken, uns um sie kümmern zu wollen“.

Als Neotenie wird in der Biologie ein Prozess bezeichnet, der Lebewesen länger als erforderlich in einem pre-pubertären Zustand hält. Das allein ist zunächst nicht unbedingt schädlich – unsere Vorliebe für Katzen mit niedlichen Babygesichtern hingegen schon.

Bereits frühere Forschungen konnten zeigen, dass extreme Gesichtsveränderungen bei Katzen mit einer Vielzahl von Beschwerden einhergehen. Dazu zählen verengte Atemwegen, übermäßige Hautfalten bis hin zu Atem- und Sehproblemen bei bestimmten Rassen.

Dr. Lauren Finka fürchtet, dass ihre Studie daran auch so schnell nichts ändern wird:

„Wir werden wohl auch weiterhin die Existenz von Rassen mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen befürworten – und durch Zucht sogar fördern. So wird es auch in Zukunft Tiere geben, die Schwierigkeiten haben, mit uns und ihren Artgenossen zu kommunizieren.“

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