Ist es Liebe, wenn Katzen treteln und kneten? Das sagt die Wissenschaft zu dem Verhalten

Millionen von Videos im Internet können nicht irren: Katzen tun manchmal komische Dinge, die wir Menschen auf Anhieb nicht so recht verstehen. Vielleicht hast Du dir als Katzenbesitzer auch schon die Frage gestellt, warum deine Katze mit den Pfötchen auf dir herumknetet.

Fakt ist: Bei wilden Katzen kommt das Kneten nur im Kätzchenalter vor. Dr. Lauren Finka ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der ‚School of Animal Rural & Environmental Sciences‘ der Universität von Nottingham in England. Sie hat das weit verbreitete Phänomen untersucht und sagt:

„Freilebende Katzen, die nicht mit dem Menschen sozialisiert sind, treteln nicht mehr, sobald sie das ‚Nest‘ verlassen haben. Es ist etwas das sie nur tun, wenn sie in der Nähe ihrer Wurfgeschwister und ihrer Mutter sind – nicht aber als unabhängige, erwachsene Katzen.“

Das Verhalten von Katzen ändere sich drastisch, sobald sie in die menschliche Obhut genommen werden. So gibt es verschiedene Theorien die erklären können, weshalb auch erwachsene Katzen im Zusammensein mit dem Menschen kneten.

Erstens wird angenommen, dass das Treteln einfach eine andere Möglichkeit für sie sein könnte, ihren Duft zu verbreiten und eine Atmosphäre der Vertrautheit für sich zu schaffen.

Katzenpfoten verfügen über eine große Anzahl von Duftdrüsen. Es könnte also sein, dass das Kneten eine Möglichkeit für sie ist, ihre kätzischen Duftstoffe (Pheromone) auf uns zu verteilen.

Eine zweite und viel zitierte Theorie besagt, dass die Tiere mit dem Verhalten genau die Bewegungen nachahmen, mit der kleine Kätzchen den Milchfluss aus den Brustdrüsen ihrer Mutter stimulieren. 

Die Wissenschaftlerin sagt hierzu:

„Vielen ist das vielleicht gar nicht bewusst, doch als Menschen fordern wir Katzen praktisch ständig dazu auf, eher kindliche Verhaltensweisen auch im Erwachsenenalter beizubehalten. Miauen und schnurren gehören dazu und vielleicht auch das Kneten.“

Erwachsene Katzen könnten so auf einem Entwicklungsstand mit entsprechenden Verhaltensweisen gehalten werden, der eigentlich nicht ihrem tatsächlichen Alter entspricht.

Weshalb wir unsere Katzen unbewusst im Kindchenalter halten

Für diesen Vorgang kennt die Wissenschaft sogar eine Bezeichnung: Mit dem Begriff Neotenie wird in der Biologie eine Entwicklungsverzögerung bezeichnet, die sich auf die Ausdehnung der Phase kurz vor der Geschlechtsreife bezieht.

Der Wunsch nach einem möglichst kindlich aussehenden Haustier führt in der Realität nicht selten zu Tierleid: Die Zucht von Hunden mit platten Schnauzen und großen Kulleraugen gehört hier sicher ganz vorne mit dazu. Bei Katzen gehört die Rasse Scottish Fold zu denjenigen, die besonders unter ihrem angezüchteten Kindchenschema leiden.

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Die Wissenschaftlerin Dr. Lauren Finka betont allerdings, dass die Verkindlichung Katzen nicht zwangsläufig Schaden zufüge, insbesondere was das Kneten anbeträfe:

„Verhaltensweisen wie Kneten sind wahrscheinlich vorteilhaft für Katzen – es wirkt beruhigend und hilft ihnen, Zufriedenheit in der Interaktion mit dem Menschen zu zeigen. Das ist also nicht unbedingt eine schlechte Sache.“

Ist es schlimm, wenn meiner Katze das Bedürfnis zum Treteln fehlt?

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kneten treteln

Liebt dich deine Katze nicht, wenn sie nicht knetet? Diese Sorge dürfte vermutlich unbegründet sein. Laut Dr. Finka gibt es einfach viele individuelle Unterschiede bei Katzen.

Wenn das Bedürfnis zum Kneten fehle zeige dies nicht zwangsläufig an, dass eine Katze ihren Halter nicht möge. Wenn eine Katze das Verhalten zeigt weise dies aber darauf hin, dass sie schon früh positive Erfahrungen mit Menschen gemacht habe:

„In den meisten Fällen ist das Kneten ein guter Indikator dafür, dass die Katze entspannt ist und sich wohl fühlt. Es ist aber auch kein wirklicher Anlass zur Sorge, wenn Sie dieses Verhalten bei Ihrer Katze nicht sehen.“

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Quelle: Sciencefocus.com

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