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Stalking und Mobbing bei Katzen erkennen: Was eine Tierpsychologin empfiehlt

Aggressives, ja sogar hinterlistiges Verhalten gegenüber anderen? Viele trauen es nur Menschen zu, doch Stalking und Mobbing gibt es auch unter Katzen. Die Folgen sind nicht minder schlimm, Unsauberkeit ist zum Beispiel ein bekanntes Symptom. Wie man das Verhalten richtig erkennt und wie wieder Frieden in den Katzenhaushalt einzieht.

Stalking und Mobbing bei Katzen? So verrückt es klingt, doch das gibt es wirklich. Manche Katzen neigen dazu, ihren Artgenossen das Leben schwer zu machen. Leben mehr als zwei Katzen zusammen in einem Haushalt, kann es sogar passieren, dass sich die Tiere mit der Zeit gegen einen bestimmten Artgenossen verschwören.

Auch wenn lediglich zwei Katzen gemeinsam in einem Haushalt leben ist es möglich, dass ein Tier das andere mobbt oder stalkt, in dem es ihm nachstellt, es permanent beobachtet oder eine Katze schlägt andere Katze.

Wir haben mit der Tierpsychologin Petra Heermann aus Hemer (NRW, Sauerland) zu den Themen Stalking und Mobbing bei Katzen gesprochen.

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Tierpsychologin Petra Heermann im Interview mit Cat-News.net. Foto: Heermann

Warum gibt es eigentlich Stalking und Mobbing bei Katzen? Was genau führt zu diesem Verhalten?

Mobbing unter Menschen wird oft als eine Form von Machtmissbrauch gedeutet. Anlässe kann es für den, der mobbt, viele geben: Die „falsche“ Kleidung, eine schräges Auftreten, ein auffälliges, körperliches Merkmal. Doch wie ist das bei Katzen?

Tatsächlich gibt es Parallelen im menschlichen und kätzischen Verhalten:

„Einer mobbenden Katze fehlt es häufig an Abwechslung, sie leidet an Langeweile. Eine von Mobbing betroffene Katze macht leider genau das, was Katzen so lieben: Sie lässt sich jagen, läuft weg wie ein Beutetier. Die wahren Ursachen für Mobbingverhalten liegen aber oft tiefer und sind mehr, als ein bloßes Jäger-Beute-Spiel. Oft beginnt es schon bei der Aufzucht, wenn nicht sogar im Mutterleib:

Unsere Umwelt wird für Katzen immer schwieriger. Ist eine Katze beispielsweise in der Schwangerschaft ständiger Unruhe ausgesetzt, hat keinen Rückzugsort, dann schlägt sich das auf ihren Hormonhaushalt nieder. Sie hat Stress und die Stresshormone gibt sie an die ungeborenen Kitten weiter. Oft überleben solche Katzenmütter den Vorgang der Geburt nicht.

In den Tierheimen haben wir darum oft so viele Tiere mit Verhaltensstörungen. Sie lassen sich kaum mehr kontrollieren, schlechte Nahrung und billige Aufzuchtmilch tun das ihrige hinzu. Solchen Kitten mangelt es später an Sozialkompetenz: Wie klettere ich einen Baum hoch, wie soll ich meinen Kot vergraben? Diese elementaren Dinge sind ihnen oft nicht bekannt. In einer etablierten Katzengruppe hat es solch ein Tier dann doppelt und dreifach schwer.“

Katzen Mobbing: Erkennen, ob es Spiel oder Spaß ist

Vor allem junge Kater lieben es miteinander zu toben und ihre Kräfte zu messen. Dabei kann es durchaus etwas ruppiger zugehen. Auch wenn uns das als Menschen beunruhigt, ist dieses Verhalten meist harmlos und vollkommen normal. Doch was eben noch Spiel war, kann leicht in eine ernstere Situation umschlagen.

Ist es möglich zu erkennen, ob zwei Katzen miteinander noch miteinander spielen, oder schon ernsthaft kämpfen?

„Das Bild kennt praktisch jeder: Eine Katze, die einen Buckel macht, ist in Kampfeslaune. Ein Katzenbuckel bei einem der Tiere kann auf einen bevorstehenden Kampf hindeuten, muss es aber nicht. Gerade jüngere Tiere machen das auch rein spielerisch, ohne tiefere Bedeutung. Sie wollen damit sagen ’schau mal, wie stark ich bin‘, so wie Halbstarke es eben machen.

Ein sicheres Zeichen ist hingegen, wenn beide Tiere zu einem hohen, fast schon sirenenartigen Gesang anstimmen. Wer ein bisschen Erfahrung mit Katzen hat, weiß wahrscheinlich genau, was für ein Laut gemeint ist. Er ähnelt dem von schrillem Kindergeschrei. Legen die Katzen zusätzlich zum unverkennbaren Gesang ihre Ohren weit nach hinten, ist das ein sicheres Zeichen für einen bevorstehenden Kampf.“

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stalking katzen

Katze greift andere Katzen an: Soll man dazwischen gehen?

Wenn zwei geliebte Haustiere miteinander kämpfen, ist das für ihre Halter oft nur schwer zu ertragen. Andere sind cooler und denken sich, Streitereien, auch solche der gröberen Art, gehören eben dazu.

Auch in unseren verschmusten Sofatigern stecken echte Raubtiere. Eine gewisse Verletzungsgefahr besteht in ernsthaften Auseinandersetzungen also immer. Der Besuch beim Tierarzt nach einem Kampf kann teuer werden, wenn er Spuren bei einem oder beiden Tieren hinterlassen hat.

Ist es da nicht besser, die Streithähne konsequent voneinander zu trennen?

„Wenn zwei Katzen so richtig in Rage geraten, kann das für den Menschen sehr gefährlich werden! Der Biss einer Katze kann schwere Infektionen hervorrufen, weil er tief in das Fleisch eindringt und bis auf den Knochen gehen kann. Schnell entstehen lokale Entzündungen, deren Erreger sich in kurzer Zeit im ganzen Körper verteilen können.

Ich würde darum immer als erstes empfehlen Abstand zu halten, wenn zwei Katzen miteinander kämpfen. Was man ohne Gefahr tun kann, um dennoch in die Situation einzugreifen, sind zweierlei Dinge: Ein unvermittelt lautes Geräusch führt häufig dazu, dass sich die Kontrahenten erschrecken und sofort voneinander ablassen. Hilft das nicht, kann man versuchen über eine der Katzen eine Decke zu werfen und sie so vom Zugriff des anderen Tieres zu lösen. Dieser Trick ist allerdings situationsabhängig: Stecken buchstäblich beide unter einer Decke, hat man ein Problem. Man sollte also vorher sicher abschätzen können, das wirklich nur eines der Tiere durch die Decke separiert wird.“

 

Verfeindete Katzen: Was tun als Halter? Wann es notwendig ist, die Tiere voneinander zu trennen und welche Lösungen es sonst noch gibt

mobbing unter katzen

Foto: Petra Heermann

Es kann nervenaufreibend sein, zwei unverträgliche Streithähne im Haus zu haben. Viele Katzen neigen unter solchen Umständen zu hartnäckiger Unsauberkeit. Urinieren außerhalb des Katzenklos ist ein häufiger Ausdruck von seelischem Stress, der durch Mobbing oder Stalking ausgelöst sein kann.

Wäre es da nicht für alle besser, wenn die Tiere konsequent voneinander getrennt würden?

„Man kann durchaus versuchen den Ursachen auf den Grund zu gehen, ohne gleich eines der beiden Tiere abgeben zu müssen. Zu allererst sollte ein Tierarzt abklären, ob nicht doch körperliche Probleme ursächlich sind, wenn zwei Katzen partout nicht miteinander können.

So grausam es vielleicht klingt, doch auch Katzen mobben und stalken Artgenossen, die nicht ganz gesund sind. Meine Katze Molly zum Beispiel ist 15 Jahre alt und hat einen Hüftschaden. Kater Dude findet ihren Gang seltsam, er ist für ihn einfach unstimmig, weshalb er dazu neigt, sie zu stalken. Wenn man den Auslöser kennt, kann man dagegen gezielt etwas unternehmen. Doch jeder Fall ist individuell zu betrachten, ein Patentrezept gibt es leider keines.

Für Entspannung kann in vielen Fällen ein Vergesellschaftungstraining sorgen. Es ist verglieichbar mit einem Kommunikationstraining für Menschen. In dem Training lernen sich die Tiere auf eine neue Weise kennen und verstehen. Zusätzlich ist die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll. So genannte Zylkene unterstützen die Enzymumwandlung. Der Effekt ist, dass Katzen mit ihnen ruhiger werden.

Ähnliches gilt für Anxitane. Sie basieren auf einer pflanzlichen Aminosäure, so wie sie auch im Grünen Tee vorkommt.

Viele werden auch von Pheromonsprays gehört haben, die in stressigen Situationen, etwa einem bevorstehenden Besuch beim Tierarzt, in die Raumluft gegeben werden. Auch diese kann man bei Mobbing- und Stalkingproblemen einmal versuchsweise anwenden.

Als letzten Schritt sollte man die langfristige Trennung der Tiere nicht aus dem Blick verlieren. Katzen sind uns Menschen gar nicht so unähnlich und so kann es vorkommen, dass zwei Tiere sich einfach nicht verstehen. Dagegen ist dann auch kein Kraut gewachsen.“

Beitragfoto: Denise Kuhlmann

 

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