Hoffnung für chronische Kranke: Katzen DNA gleicht der menschlichen mehr als bisher angenommen

katzen dna

In wissenschaftlichen Experimenten zeigen sich Katzen oft deutlich weniger kooperativ als Hunde. Trotzdem ist es Forschenden nun gelungen zu zeigen, dass zwischen Katzen DNA und dem menschlichen Genom eine weit höhere Ähnlichkeit besteht, als dies im Vergleich zu anderen Tieren der Fall ist.

Sind Haustierhalter ihren vierbeinigen Gefährten ähnlich? Wer diese Frage stellt, hat vermutlich als erstes das oft besonders intime Verhältnis zwischen Hunden und ihren Herrchen und Frauchen im Sinn.

Doch tatsächlich besteht – abgesehen vom Affen – kaum eine größere Ähnlichkeit zwischen Mensch und Tier, als das bei Katzen der Fall ist. Das sagt die Wissenschaftlerin Leslie Lyons, die Expertin für Katzengenetik an der University von Missouri (USA) ist:

„Abgesehen von Primaten ist der Vergleich zwischen Katze und Mensch einer der engsten, den man erreichen kann.“

Trotzdem würden Katzen von der wissenschaftlichen Gemeinschaft noch immer unterschätzt, glaubt die Forscherin. Dabei könnte die Ähnlichkeit der DNA von Katzen für das Studium menschlicher Krankheiten ein bedeutender Faktor sein.

Wissenschaftlern könnte es mit Hilfe von Katzen-DNA gelingen die „dunkle Materie“ unseres Genoms zu verstehen – dabei handelt es sich um solche DNA-Stränge, die bisher nicht kodiert werden konnten. Das treffe laut Lyons noch auf etwa 95 Prozent des menschlichen Genoms zu.

Lyons und ihre Mitarbeiter haben kürzlich das detaillierteste Katzengenom veröffentlicht, das jemals sequenziert wurde, wie James Gorman in der New York Times berichtet.

Könnte ein besseres Verständnis der Katzen DNA in Zukunft Menschenleben retten?

Lyons Hoffnung ist, dass ein besseres Verständnis der Genetik von Katzen die Entwicklung einer Präzisionsmedizin für genetische Erkrankungen bei den Tieren einleiten könnte. Die Erfahrungen hieraus könnten dann eines Tages in eine Gentherapie für den Menschen übergehen.

Mensch und Katze teilen viele Gemeinsamkeiten, was chronische Erkrankungen betrifft. Lyons schreibt etwa, dass die so genannte polyzystische Nierenerkrankung bei bestimmten Katzenrassen weit verbreitet ist und beim Menschen – im Gegensatz zu vielen anderen Säugetieren – ebenfalls häufig vorkommt.

Wenn es Forschenden also gelingt eine Gen-Therapie zu finden die diese Katzen heilen kann, dann könnten sich hierdurch auch entscheidende Hinweise für die Entwicklung einer eben solchen Behandlung für unsere Spezies ableiten lassen.

Katzen als Versuchstiere: Experimente verlaufen schonend

Manch Katzenhalter mag sich bei dem Gedanken, dass Katzen künftig eine größere Rolle als Versuchstiere spielen könnten, unwohl fühlen. Doch Leslie Lyons gibt Entwarnung:

„Eine ganze Reihe genetischer Arbeiten kann ganz schonend durchgeführt werden. Wir sind zum Beispiel sehr gut darin, DNA-Klumpen aus Katzenbackenzellen zu extrahieren, indem wir kleine Drahtbürsten verwenden, die wir im Maul der Tiere schwenken.“

90 Prozent ihrer Studien würden ohnehin an natürlich vorkommenden Krankheitsmodellen durchgeführt werden. Katzen, die durch Lyons‘ Labor in Missouri gehen, werden adoptiert, nachdem sie ihre wissenschaftliche Karriere beendet haben.

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