Studie: Warum Katzen ausgerechnet Menschen lieben, die sie nicht mögen

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass gerade Katzenfans von ihren Lieblingstieren oft verschmäht werden. Warum zeigen sich die Tiere ausgerechnet gegenüber ihren Liebhabern so kaltschnäuzig – und mögen Menschen, die mit Katzen eigentlich nichts am Hut haben?

Während die meisten Hunde praktisch jeden mit Zuneigung überschütten, sind viele Katzen deutlich zurückhaltender: Katzen haben normalerweise einige Regeln und machen gewisse Auflagen, bevor sie sich für eine Person erwärmen.

Eine aktuelle Studie aus England konnte zeigen, dass es vor allem Katzenflüsterer sind – oder solche Menschen, die sich dafür halten –  die bei ihren Lieblingstieren häufig nicht besonders gut ankommen. Die Untersuchung wurde an der Universität von Nottingham durchgeführt, veröffentlicht hat sie die britische Zeitung Telegraph.

Teilnehmer sollen von sich aus keinen Kontakt mit den Tieren aufnehmen

Rund 120 Personen – Katzenhalter und solche ohne Samtpfoten – wurden für die Studie rekrutiert. Um ihre Affinität zu den Tieren zu prüfen, wurden die Teilnehmer im Vorfeld des Versuchs befragt, wie gut sie sich mit Katzen auskennen. Ihr Katzenwissen sollten die Teilnehmer dabei selbst einschätzen.

Es gab einen Versuchsraum, in welchen die Teilnehmer einzeln hineingeschickt wurden. Für fünf Minuten wurden nacheinander drei verschiedene Katzen zu der Person in den Raum gelassen. Die Versuchsperson wurde angewiesen, die Katzen nicht aktiv zu sich zu locken, denn den Wissenschaftlern war wichtig, dass die Tiere von sich aus kommen würden. Wenn das geschah, lag es an den jeweiligen Teilnehmern, wie sie sich verhielten: Sie konnten mit den Katzen spielen, sie streicheln, oder auch gänzlich ignorieren.

Die Forscher zeichneten alle Interaktionen mit einer Videokamera auf. Anschließend bewerteten sie anhand der Körpersprache der Tiere, wie sie sich im Umgang mit den jeweiligen Personen fühlten. Auf diese Weise wollten sie herausfinden, welche Verhaltensweisen Katzen an Menschen am ehesten mögen.

Wissenschaftlerin: Samtpfoten möchten gerne die Kontrolle behalten

Am entspanntesten verhielten sich die Tiere, wenn die Teilnehmer eher passiv blieben, die Annäherungsversuche seitens der Katzen aber durchaus mit minimalen, sanften Berührungen beantworteten.

Erstaunlich war für die Forscher, dass sich gerade die Teilnehmer mit Katzenerfahrung auffallend oft undistnaziert gegenüber den Tieren verhielten. Sie berührten sie etwa häufiger in „roten Bereichen“ – also an solchen Stellen, an denen Katzen normalerweise nicht so gerne angefasst werden. Zu diesen Bereichen zählen die Forscher etwa den Schwanz, die Beine und entlang des Rückens.

Häufiger als jüngere Teilnehmer zeigten ältere Probanden mit Katzenerfahrung außerdem die Tendenz, die Tiere einfach zu packen und festzuhalten. Von den Katzen wurde insbesondere dieses Verhalten nicht sonderlich geschätzt. Die Aufzeichnungen ließen erkennen, dass sich die Tiere dadurch sichtlich unwohl fühlten und sie eine Abneigung gegen diese Personen entwickelten.

Für Dr. Lauren Finka, die den Versuch leitete, bedeutet das: Katzen lieben Menschen, die sie hassen! Sie lieben sie, weil sie ihnen mit der nötigen Zurückhaltung begegnen, die Katzen brauchen, um die Kontrolle zu behalten.

Die Verhaltensexpertin für Katzen erklärt, dass vor allem Tierheime von ihrer Studie profitieren könnten:

„Es hat sich gezeigt: Katzenerfahrung und ein breites Wissen über die Tiere machen nicht zwangsläufig einen guten Katzenhalter aus. Tierheime sollten darum keine Bewerber kategorisch ausschließen, die bisher keinerlei Erfahrungen mit Katzen haben, denn sie könnten im Gegenteil ausgezeichnete Katzeneltern abgeben!“

Foto: Ivan Radic / A ginger cat with beautiful eyes / CC-BY

Weiterlesen: Wie sich Katzen mit uns verständigen und wie Du sie lesen lernst


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wieder frei! Katzen-Lockdown in Wiesloch-Walldorf wird vorzeitig beendet

Catfluencerin Jenni aus Hannover: „Ich stehe zu 100% hinter den Produkten“