Katzen erziehen mit Clickertraining: Was ein Profi für den Start empfiehlt

clickertraining

Katzen kann man nicht erziehen? Positive Erfahrungen mit dem Clickertraining zeigen, dass es geht! Bekannt ist die Methode vor allem bei Hundehaltern, doch auch immer mehr ‚Katzeneltern‘ trainieren mit ihren Tieren Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ oder „Gib Pfötchen“. Auch den bei vielen Katzen gehassten Besuch beim Tierarzt kann es erleichtern.

Jasmin Lindner ist eine der bekanntesten Katzen-Clicker-Trainerinnen in Deutschland. Im Interview verrät uns die Tierschützerin und Katzenfreundin, wie Neulingen der Einstieg in das Clickertraining mit Katzen gelingt.

Clickertraining mit Jasmin Lindner
© Jasmin Lindner

Kleine Kunststücke vollführen, oder auf Kommando Pfötchengeben – mögen so unabhängige Tiere wie Katzen das eigentlich? Vor allem Wohnungskatzen profitieren von dem regelmäßigen Training mit dem Clicker, sagen Verhaltensexperten. Das klingt einleuchtend, schließlich fehlen in der Wohnungshaltung Reize aus der Natur, die Freigänger-Katzen Abwechslung verschaffen.

Daraus lässt sich ableiten, dass Wohnungskatzen grundsätzlich ein höheres Bedürfnis nach Beschäftigung durch den Menschen haben. Fehlen ausreichende Abwechslung und Beschäftigung, kommt es bei Katzen leider nicht selten zu hartnäckigen Verhaltensstörungen, die sich oftmals nur mit viel Geduld und Fürsorge wieder in den Griff kriegen lassen.

Das regelmäßige Training mit dem Clicker bietet Katzenhaltern eine ideale Möglichkeit, ihre Haustiere angemessen und sinnvoll zu beschäftigen. Die Übungen halten den Geist fit und können bei fettleibigen Katzen außerdem für mehr Bewegung sorgen.

Clickertraining mit Katzen: Achtsam das Vertrauen stärken

Nicht nur dem Tier nutzen die Trainingseinheiten mit seinem Halter: Auch der Mensch profitiert von der gemeinsamen Aktivität, da sich auf diese Weise die Bindung zur Katze festigen lässt und das Vertrauen gestärkt wird.

Für die Cat-News.net Leserinnen und Leser erklärt die uns Katzenexpertin Jasmin Lindner im Interview, wie der Einstieg in das Clickertraining mit Katzen gelingt und was es für einen erfolgreichen Start braucht.  

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Cat-News: Was genau benötigen Einsteiger, um mit dem Clickertraining zu starten?

Als erstes natürlich einen Clicker, oder alternativ einen so genannten Target-Stab mit einem Clicker. Ich bevorzuge den Stab, es geht aber auch ein ganz einfacher Clicker. Wer es erst mal testen möchte, kann auch für den Anfang mit der Zunge ein Schnalzgeräusch erzeugen. Ein paar Leckerlis sind auch nicht schlecht – und natürlich braucht es eine Katze, die mitmachen möchte!

Ab welchem Alter können Katzen das Training lernen?

Beim Clicker-Training gibt es aus Prinzip keine starren Altersgrenzen! Man kann schon mit kleinen Kitten trainieren, sobald sie feste Nahrung zu sich nehmen. Auch Katzen-Senioren machen gerne bei meinen Trainings im Tierheim mit, aber das funktioniert natürlich immer nur so lange sie auch wirklich Lust dazu haben.

Das tolle am Clickertraining ist ja gerade, dass man die Methoden entsprechend des Alters, möglichen Erkrankungen oder anderen Einschränkungen wunderbar individuell anpassen kann. So hat letztlich nahezu jede Katze Spaß daran.

Wie lassen sich die Trainings-Einheiten am besten in den Alltag integrieren? 

Im Tierheim bieten wir spezielle Kurse für Katzenhalter an, denn gemeinsam in der Gruppe macht das Lernen deutlich mehr Spaß. Vorteil: Man lernt gleich mehrere Katzen-Clicker-Charaktere kennen. Die Tiere reagieren mitunter recht unterschiedlich auf das Training.

Wer diese Möglichkeit nicht hat, für den bietet sich zum Start ein Handbuch an, in dem die Grundzüge des Clickertraining nachvollziehbar erklärt sind. Bei anfänglichen Unsicherheiten würde ich dazu raten, das Gespräch mit jemandem zu suchen, der sich mit der Thematik schon besser auskennt.

© Jasmin Lindner

 

Verhaltenskonditionierung mit Clickern: Warum sie so gut funktioniert

Das Clickertraining geht auf die klassische Verhaltenspsychologie zurück. In den 1960er Jahren wurde die Methode zur Konditionierung von Delfinen in der Delfintherapie entwickelt. Als ‚Erfinder‘ des Prinzips gilt der russische Wissenschaftler Iwan Petrowitsch Pawlow. Ihm war es bereits 1927 gelungen, Hunden auf Kommando ein bestimmtes Verhalten zu konditionieren, sobald ein bekanntes Geräusch ertönt. 

Mittlerweile gilt es als erwiesen, dass auch Katzen sich mit der Methode erziehen lassen. Ein Vorteil gegenüber anderen Erziehungsmethoden ist die absolute Achtsamkeit der Methodik: Es gibt keine Bestrafungen, die Tiere werden im Gegenteil für ein erwünschtes Verhalten belohnt. Damit sich ein Lerneffekt einstellt, werden sollten die Übungen pro Trainingseinheit mehrere Male wiederholt werden.

Welche Tiere sind am besten ansprechbar mit Clickertraining? 

Erstaunlicherweise gibt es meiner Erfahrung wenig Unterschiede. Junge Katzen können anfangs manchmal ein wenig Probleme mit der Konzentration haben. Sie lassen sich noch leichter ablenken von allen möglichen Reizen, die das Leben für sie zu bieten hat und das kann es eben etwas schwieriger machen. Das legt sich aber mit der Zeit.

Auch bei älteren Katzen kann das Thema Konzentration im Training eine Rolle spielen. Die Fähigkeit zur Fokussierung lässt bei Katzen ab einem gewissen Alter schneller nach, das ist normal. Dem kann man aber leicht begegnen, indem man häufiger und dafür aber kürzer mit ihnen trainiert.

Wie lange sollten die Trainingseinheiten jeweils dauern? Welche Empfehlungen hast Du?

Fünf Minuten Training pro Einheit sind ein guter Richtwert für eine gesunde, mittelalte Katze. Generell fällt es Katzen und auch Hunden nicht leicht, sich über längere Zeit auf eine bestimmte Sache zu konzentrieren. Spätestens wenn eine Katze während der Trainingssession öfter stiften geht, wird es Zeit eine Pause einzulegen.

© Jasmin Lindner

Ist es möglich auch mit mehreren Katzen gleichzeitig zu trainieren?

Man kann sogar sehr gut mit mehreren Katzen gleichzeitig trainieren und oft macht das auch viel mehr Spaß! Es kann allerdings für Halter eine Herausforderung sein, mehrere Stubentiger gleichzeitig beschäftigt zu halten. Es ist darum günstig, wenn man vor diesem Schritt bereits ein wenig Erfahrung mit den Methoden hat. Man muss ein bisschen pfiffig sein, um alle Katzen perfekt und zeitnah für das gewünschte Verhalten zu belohnen. Der eigentlich positive Effekt der Konditionierung könnte verpuffen, wenn man nicht schnell genug reagiert.

Wie sollte man sich verhalten, wenn eine Katze im Training oft abgelenkt ist? Ist es möglich sie zum Weitermachen zu animieren?

Das kommt darauf an. Wenn eine Katze tatsächlich keine Lust mehr hat, sind alle Versuche in diese Richtung vergebens. Was man allerdings probieren kann, ist folgendes: Ruhiges Ansprechen, oder mit den Fingern schnipsen. Was man nicht machen sollte um die Aufmerksamkeit zurück zu erlangen, ist mit dem Clicker zu klickern! Langfristig sollte das Ziel sein, dass der Mensch bestimmt, wann eine Trainingssession zu Ende ist, nicht die Katze.

Beim Clickertraining geht es um positive Konditionierung. Bedeutet das, dass es jedes Mal ein Leckerli zur Belohnung geben sollte? 

Das klickende Geräusch dient im Training als eine Art Marker-Signal. Sobald es ertönt zeigt das der Katze, dass sie etwas ganz toll und richtig gemacht hat und sich eine Belohnung verdient hat. Ob es dafür immer ein Leckerli geben muss, dazu gibt es verschiedene Ansichten.

Ich persönlich empfinde es als absolut fair und sinnvoll, eine Katze nach jedem erwünschten Verhalten mit einem kleinen Leckerchen zu belohnen. Für fortgeschrittene Katzen sind aber auch andere Belohnungen denkbar, etwa ein kurzes, intensives Streicheln.

© Jasmin Lindner

Lässt sich bei ängstlichen Katzen mit dem Training auch die Angst vor dem Tierarzt nehmen? 

Das ist sogar eines der wichtigsten Einsatzgebiete beim Clickertraining! Mit Clickertraining lässt sich nicht nur die Angst vor der Transportbox nehmen. Ängstliche Katzen können lernen, dass Untersuchungen beim Tierarzt nicht unangenehm sein müssen. Es ist zum Beispiel möglich mit Hilfe des Clickers einer Katze beizubringen, sich völlig stressfrei am ganzen Körper anfassen zu lassen, oder sich ohne Gegenwehr von ihrem Halter die Krallen stutzen zu lassen.

Gibt es etwas, das Anfänger beim Clickertraining falsch machen können?

Grundsätzlich gilt, dass jegliche Formen der Bestrafung im Training nichts verloren haben! Es wird ausschließlich mit positiver Verstärkung gearbeitet. Gewünschte Verhaltensweisen werden durch das Klickgeräusch positiv markiert, wenn es im direkten Anschluss daran eine Belohnung gibt. Das sorgt schließlich für das gewünschte Verhalten beim Tier. Jegliches anderes Verhalten sollte in der Trainingszeit am besten einfach ignoriert werden. Es ist wichtig, sich dem Tier gegenüber besonders achtsam zu verhalten. Manchmal ist es erforderlich, dass auch der Mensch seine Geduld etwas trainiert.

Vielen Dank für das schöne Interview!

Jasmin Lindner Clickertraining
© Jasmin Lindner

Ihr seid beim Lesen „auf den Clicker“ gekommen? Das Handbuch von Jasmin Lindner „Clickertraining für Katzen“ gibt es hier auf Amazon.

In der Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ (WDR) hat Jasmin Lindner den Zuschauen gezeigt, wie sie ihre Katzen im Tierheim für das Clickertraining begeistert. Die Folge könnt ihr euch online ansehen:

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