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Ein (fast) normales Katzenleben: Österreicherin lebt mit 40 behinderten Katzen zusammen

katzen mit behinderung

Katzen sind das mit Abstand beliebteste Haustier der Welt. Viele Menschen lieben Katzen, doch wohl die wenigsten können sich vorstellen, ein behindertes Tier aufzunehmen. Eine Ausnahme ist die Österreicherin Bettina Bernadowitsch.

Mehr als 40 so genannte ‚Handicats‘ leben in der Obhut von Bettina Bernadowitsch in der österreichischen Steiermark. Sie sind inkontinent, querschnittgelähmt und manche sind beides.

Die überwiegende Zahl der Tiere ist im Straßenverkehr verunglückt – andere wurden gezielt Opfer von menschlichen Übergriffen. Gebe es Bettina Bernadowitsch nicht, wären die meisten aufgrund ihrer massiven Beeinträchtigungen wohl schon nach kurzer Zeit eingeschläfert worden.

„Ein Leben, das vorschnell beendet wurde, kann niemals wieder gut gemacht
werden.“

– Bettina Bernadowitsch

Die Pflege der teilweise schwer beeinträchtigten Katze ist ein Fulltime-Job, den die Österreicherin jedoch von Herzen erledigt. 2018 hat ihr das Land Steiermark dafür den Landestierschutzpreis verliehen.

Im Interview mit Cat-News.net berichtet Bettina Bernadowitsch, wie das Zusammenleben mit so vielen Katzen funktioniert und warum es trotz Tierheim-Status so schwierig ist, Tiere Mia, Felix und Penelope zu vermitteln.

Handicats – Was ist das?

Der Begriff ‚handicats‘ stammt aus dem Englischen und ist eine Abkürzung für ‚handicap cats‘. Frei übersetzt bedeutet ‚handicats‘ so viel wie ‚Katzen mit Behinderungen‘. Mittlerweile wird der Begriff auch von deutschen Tierschutzaktivisten und natürlich den Haltern von Katzen mit Behinderungen verwendet.

Katzen, die bei Ihnen ein Zuhause finden, sind häufig stark beeinträchtigt und benötigen intensive Pflege. Wie kommt es zu Ihrer Motivation, sich ausgerechnet um diese Katzen zu kümmern?

Ich war schon immer verrückt nach Katzen! Als Kind habe ich davon geträumt später einmal ganz viele Katzen zu haben. Meiner Tante habe ich eine Wiese im Ort gezeigt und gesagt ‚Schau, die kaufe ich mal, wenn ich groß bin und dann steht dort ein Haus mit ganz vielen Katzen!‘.
Bis es so weit war, hat es aber noch eine ganze Weile gedauert. Der Wunsch ausgerechnet behinderten Katzen zu helfen, ist bei mir durch eine direkte Konfrontation mit dem Thema entstanden.

Vor einigen Jahren bekam ich durch Zufall eine Katze, die eine Querschnittslähmung hatte. Man sagte, ein Bauer hätte versucht sie an einer Wand zu erschlagen, sein Werk jedoch nicht zu Ende gebracht. Mit der Zeit hat sie sogar das Gehen wieder gelernt, die Inkontinenz blieb bis zum Schluss

Dieses Tier war so unglaublich dankbar und lebensfroh, ich denke, das hat mich geprägt. Dadurch ist bei mir das Bedürfnis entstanden, dass ich speziell solchen Tieren helfen möchte, die anderswo keine Chance auf ein Leben haben.

Sie leben mit den beeinträchtigten Katzen unter einem Dach. Wie funktioniert das und was ist dabei die größte Herausforderung?

Meine Aufgabe ist psychisch sehr herausfordernd. Ich bin fast täglich mit viel Leid konfrontiert und es ist nicht immer leicht, das auszuhalten. Es ist meiner Meinung nach ganz wichtig sich immer als erstes an die zu erinnern, denen man helfen konnte, sich das wirklich immer zu vergegenwärtigen. Nur dann kann man das schaffen, dann geht das.

Das klingt jetzt vielleicht sehr negativ, doch es gibt auch viele schöne Momente zusammen mit den Tieren. Jede Katze hat, trotz Beeinträchtigung, ihren ganz eigenen Charakter. Manche mögen sich, andere gehen sich lieber aus dem Weg.

Kater Sigi zum Beispiel ist so ein bisschen der Chef hier im Haus. Wenn es Streit gibt, sorgt er für Ruhe. Vor Sigi haben alle Respekt. Seine Rolle aus ‚Bürgermeister‘ erledigt er ganz wunderbar!

Mia, Felix, Penelope und Co. – Die Bewohner der ‚Katzenhoffnung‘:

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Die meisten Menschen mit Katzen haben vielleicht zwei oder drei Tiere Zuhause. Sie leben zur Zeit mit mehr als 40 Tieren zusammen, von denen die meisten mehrfach am Tag speziell gepflegt werden müssen. Wie schaffen Sie das alles?

40 Katzen leben als Tierheimtiere hier, viele weitere sind sozusagen meine Privat-Katzen. Ich arbeite mittlerweile hauptberufliche für die Tiere, mit Unterstützung durch meine Mutter und meinen Mann. Außerdem gibt es noch eine Halbtagskraft und einige ehrenamtliche Helfer. Ohne Hilfe wäre das alles nicht zu schaffen.

Aktuell bauen wir an, damit wir noch mehr Katzen aufnehmen können. Mein Mann macht das fast komplett in Eigenregie. Ich bin glücklich, dass er so hinter mir und den Tieren steht. Ich denke, das ist wahrscheinlich alles andere als selbstverständlich!

Auf welchen Wegen kommen die Handicats zu Ihnen?

Die meisten Katzen sind so genannte Unfalltiere. In einigen Fällen werden sie aus anderen Tierheimen hierher vermittelt. Beim Tierarzt heißt es oft ziemlich schnell, dass es besser sei das Tier zu erlösen. Wir schenken ihnen ein Zuhause, da sie sonst wohl keine Chance mehr auf ein Leben gehabt hätten.

Ich denke vielen, auch Tierärzten, ist nicht klar, dass der schlimme Zustand einer Katze nach einem Unfall immer nur eine Momentaufnahme ist. Gibt man diesen Tieren Zeit zur Erholung, entwickeln sich unglaublich lebenslustige, dankbare und wunderbare Lebewesen – trotz Behinderung.

Was mir Sorgen bereitet ist, dass nach meinem Eindruck immer mehr Katzen unter den Tieren sind, die mutwillig durch Menschen verletzt wurden. So etwa ab 2018 scheint es groß in Mode gekommen zu sein, auf Katzen mit dem Luftgewehr zu schießen. Dass Projektile in Katzen stecken, ist auch für mich noch neu, das gab es so früher meiner Meinung nach nicht in dem Ausmaß.

Unsauberkeit bei Katzen ist für viele Halter ein Thema. Wie funktioniert die Vermittlung von Tieren, bei denen von vornherein klar ist, dass es in diesem Bereich Probleme gibt?

Um ehrlich zu sein: Die Vermittlungsquote liegt bei den Handicats bei mehr oder weniger null. Klar, es gibt immer mal wieder Interessenten, die auch solch einem Tier eine Chance geben möchten. Das ist natürlich grundsätzlich toll! Doch nach meiner Erfahrung ist vielen nicht wirklich bewusst, was es bedeutet, ein querschnittgelähmtes und / oder inkontinentes Tier aufzunehmen.

as alles macht unheimlich viel Arbeit und fordert viel von einem. Drei- bis viermal am Tag muss die Blase ausmassiert werden. Andernfalls gibt es einen Harnrückstau, so etwas kann schnell gefährlich werden. Gerade anfangs ist es keineswegs so, dass eine Katze sich diese Prozedur einfach so gefallen lässt. Die Tiere wehren sich dagegen, sie schreien und beißen. Das muss man erst einmal aushalten können.

Die Aufnahme einer solchen Katze funktioniert meines Erachtens nach nur für Personen die nicht, oder nicht mehr, arbeiten.

Das ‚Paradies für HandiCATS‘ finanziert sich vollständig aus Spenden. Wer die Arbeit von Bettina Bernadowitsch unterstützen möchte, findet hierzu folgende Möglichkeiten:
  • Spendenkonto Katzenhoffnung Steiermark IBAN: AT98 12000 100 1600 9762 / BIC: BKAUATWW
  • Paypal: paypal.me/katzenhoffnung
  • Spendenhotline: +43 (0) 901 500 830
    (pro Anruf werden automatisch 5,00 Euro an HandiCATS gepspendet)
    Weitere Möglichkeiten zu unterstützen finden Interessierte auf behindertekatzen.at und katzenhoffnung.at.
  • Auch ehrenamtliche Helfer sind im Paradies für HandiCATS willkommen! Kontakt: +43 (0) 660 4182888 oder per E-Mail an info@katzenhoffnung.at.

Hinweis in eigener Sache: Cat-News.net hat für die Veröffentlichung dieses Interviews kein Honorar erhalten. Sind Sie auch für den Tierschutz in Sachen Katze tätig und wünschen Sie sich, dass wir Ihr Projekt ebenfalls mit einem Interview vorstellen? Kontaktieren Sie uns via E-Mail an redaktion(ät)cat-news.net.

Autor(in) Cat News

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