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Wie Jäger freigehenden Katzen nachstellen und was dann geschieht

katzen jäger

Freigänger Katzen leben gefährlich: Aus dem aktuellen Bericht eines Tierschutzvereins geht hervor, dass Jäger freilaufende Katzen offenbar in purer Absicht in so genannte Lebendfallen locken. Was dann mit den Tieren geschieht, ist ungewiss – selbst im Bundesland Nordrhein-Westfalen, in dem das Töten freilaufender Katzen seit 2015 eigentlich verboten ist.

Zwischen 2007 und 2015 wurden in NRW mehr als 76.700 Katzen von Jägern getötet. Die Zahl hat der Verein zum Schutz freigehender Katzen (VSfK.e.V.) aus den Jagdstreckenberichten addiert, welche einmal jährlich von den Jägern bei den unteren Jagdbehörden eingereicht werden müssen.

Glücklicherweise hat die rot-grüne Regierung in NRW im Jahr 2015 der grausamen Praxis ein Ende gesetzt – zumindest offiziell. Seit dem in Kraft Treten des neuen Jagdgesetzes sollen Katzen vorzugsweise lebend gefangen werden.

In Ausnahmefällen, etwa „zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt“, wie es NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) es ausdrückt, dürfen sie nach wie vor getötet werden.

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Tierschutzverein: Jägern geht es darum, möglichst viele Katzen anzulocken

Wie ist es möglich, dass Jäger erfolgreich einer so hohen Zahl Katzen nachstellen können? Jeder Katzenhalter weiß, dass Katzen sich am liebsten geschützt fortbewegen, etwa an Hauswänden oder dichten Sträuchern entlang. Nur selten sieht man sie quer über Äcker oder andere freie Flächen laufen. Wenn eine Katze es möchte, dann findet sie fast immer eine Möglichkeit, um sich zu verstecken. Der VSfK e.V. erklärt, weshalb Jäger so gute Katzenjäger sind:

„Um sicher zu gehen, dass möglichst viele Katzen zum „Lebendfallen-Fangplatz“ finden, werden Katzenlockmittel rund um den Fangplatz und an der Lebendfalle angebracht. Es handelt sich hierbei um ein Präparat aus der Baldrianwurzel und wirkt auf Katzen wie ein anregendes Aphrodisiakum“

Der Verein kritisiert nicht nur die Verwendung dieser Mittel, sondern auch dass diese von jedermann über das Internet bestellt werden könnten und sie mit einer „hohen Anlockquote“ beworben werden.

Nun ließe sich argumentieren, dass es doch begrüßenswert ist, wenn freilaufende Katzen wenigstens lebend gefangen werden. Der Tierschutzverein sieht in dem Einsatz von Lockstoffen aber auch noch ein anderes Problem:

Weil Katzen in der Lage sind, die verwendeten Duftstoffe auf viele hundert Meter Entfernung hin wahrzunehmen, würden sie zum Herumstreunen geradezu angestiftet.

Das gelte insbesondere für Katzen, die es gewohnt sind, beim Freigang eher in der Nähe des Hauses zu bleiben. „Vielen Katzenhaltern in ländlichen Bereichen ist das so überhaupt nicht bewusst“, vermutet der VSfK e.V.

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Wohin mit den gefangenen Katzen?

Von Jägern gefangene Katzen gelten zunächst einmal als Fundtiere, sofern sich der Halter nicht unmittelbar finden lässt. Jäger sind darum per Gesetz angehalten, sie bei der zuständigen Behörde abzugeben. Welche das im konkreten Fall jedoch ist, darüber scheiden sich seit Kurzem die Geister: In Frage käme nach einem aktuellen Urteil neben dem Tierheim beispielsweise auch das örtliche Fundbüro.

Seit dem Urteil sind Tierheime nur noch zur Annahme von Fundtieren verpflichtet, wenn diese sichtlich verletzt oder krank sind – es sei denn, es besteht ein anderslautender Vertrag mit der jeweiligen Stadtverwaltung. Über solch einen Vertrag verfügen bisher jedoch nur die wenigsten Gemeinden in Deutschland, wie unter anderem das Internetportal Wir sind Tierarzt berichtet. Für nichtverletzte Fundtiere ist darum seit dem Urteil das Fundbüro zuständig.

Rein rechtlich ist ein Fundtier aber nur dann ein Fundtier, wenn es auch einen Halter hat. Andernfalls gilt es offiziell als „herrenlos“ – und hat damit den Status eines Wildtieres. Bei einer gefangenen Katze ist das auf Anhieb nur schwer zu beurteilen.

 

Wie viele Katzen zurück zu ihren Haltern kommen, ist nicht bekannt

Ob sich ein Jäger tatsächlich die Mühe macht, eine lebend gefangene Katze nach Möglichkeit ihrem Besitzer zurückzuführen, ist fraglich und dürfte vom Einzelfall abhängig sein. Selbst wenn er in guter Absicht eine Katze zum nächsten Fundbüro bringt, kann die Behörde die Annahme verweigern, wenn es sich ihrer Meinung nach nicht um ein verloren gegangenes Haustier handelt. Das ist regelmäßig der Fall bei Katzen, die nicht gechippt sind.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Wie ebenfalls von Wir sind Tierarzt berichtet wird, sollen viele Fundbüros nach dem aktuellen Urteil noch gar nicht für die Annahme von Fundtieren ausgelegt sein. Mancherorts bestehe sogar ein generelles Zutrittsverbot für Tiere.

Was tut also ein Jäger mit einer lebend gefangenen Katze, für die sich nicht sofort der Halter ermitteln lässt, für die sich weder das Tierheim, noch das Fundbüro zuständig fühlen? Aufschluss gibt möglicherweise ein Statement des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen:

„Die schlechteste Lösung ist sicher, sie als unerwünschten Beifang wieder laufen zu lassen“

Es braucht nicht allzu viel Fantasie um sich auszumalen, wie eine entsprechend „gute Lösung“ für diesen „Beifang“ aus Sicht von Jägern aussehen mag, welche durch die Landesjagdgesetze mit dem vorrangigen Schutz von Bodenbrütern und Kleinsäugern betraut worden sind.

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Empfehlung: Freigänger Katzen unbedingt chippen lassen!

Betrachtet man die aktuelle Lage insgesamt, so hat eine von einem Jäger gefangene Katze derzeit nur dann eine realistische Aussicht auf die Aufnahme in einem Tierheim oder Fundbüro, wenn sie nicht sofort als Wildtier eingestuft wird.

Ob Wildtier oder Haustier, wird ohne das Vorhandensein eines Microchips in der Praxis oftmals allein am optischen Zustand einer Katze festgemacht: Wirkt sie gepflegt und gesund, so ist das ein Indiz dafür, dass die Katze einen Halter hat. Solche Beurteilungen sind von Natur aus subjektiv und gerade ältere Tiere entsprechen nicht zwangsläufig dem Erscheinungsbild einer vitalen Hauskatze.

Die Implantation eines Microchips ist also derzeit die einzige Möglichkeit, sein Tier halbwegs gut bei Ausflügen in die Natur geschützt zu wissen.

 

 

 

 

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