Wenn Katzen keine Artgenossen mögen: Wissenschaftler finden Ursache im Hormonhaushalt

Wie gut oder weniger gut sich Katzen miteinander vertragen, könnte hormonelle Gründe haben. Eine aktuelle Studie aus Japan entdeckte nun, dass Einzelgängertum den betroffenen Tieren womöglich in den Genen steckt.

Ob Puma, Tiger, oder Gepard: Die meisten Katzenarten werden von Biologen als Einzelgänger betrachtet, die ein Revier haben und dieses auch gegenüber Artgenossen verteidigen. Wie ist es da zu erklären, dass ausgerechnet Hauskatzen häufig in Gruppen zusammenleben und das manchmal sogar aus freien Stücken? Diese Frage stand im Fokus der Untersuchungen einer Gruppe japanischer Wissenschaftler.

Für 14 Tage beobachtete das Team vom „Labor für Mensch-Tier-Interaktion und Reziprozität“ an der Azabu-Universität in Kanagawa drei Gruppen von jeweils fünf Hauskatzen. Sie interessierten sich dabei vor allem für den Einfluss des Hormonspiegels und von Darmmikrobiomen auf das Sozialverhalten von Katzen.

Die Forscher verwendeten Videokameras, um das Verhalten der Katzen zu beobachten, sammelten Urinproben, um den Cortisol-, Oxytocin- und Testosteronspiegel zu messen. Außerdem sammelten sie Kot, um die Zusammensetzung der Mikroben im Darm der Katzen zu bestimmen und miteinander zu vergleichen.

Manche Katzen sind toleranter im Umgang mit anderen

Katzen mit einem hohen Testosteronspiegel hatten laut der Studie weniger Kontakt zu ihren Artgenossen und versuchten auch eher, dem Versuchsraum zu entkommen. Solche Tiere, die ohne Angst mit anderen Gruppenmitgliedern und den Wissenschaftlern in Kontakt traten, wiesen niedrigere Cortisolspiegel auf – Cortisol gilt in der Stressforschung als das primäre Stresshormon.

Für ein weiteres Hormon entdeckten die Wissenschaftler eine Verbindung zum Sozialverhalten von Katzen, nämlich dem als „Kuschelhormon“ bekannten Oxytocin. War dessen Wert vergleichsweise hoch, suchten die Tiere seltener Kontakt und waren in der Gruppe umso einsamer. Für das Team um Studienleiter Hikari Koyasu kam diese Erkenntnis überraschend, denn ein hoher Oxytocinwert im Blut wird normalerweise mit einem starken Wunsch nach Bindung in Zusammenhang gebracht.

Laut Hikari Koyasu könnte das bedeuten:

 „Selbst wenn Katzen Zeit miteinander verbringen und denselben Raum teilen, sind sie möglicherweise nicht in der Lage, eng verbundene Gruppen zu bilden“.

Um das zu beweisen, seien jedoch weitere Untersuchungen nötig, betont der Wissenschaftler, die Versuchsdauer von gerade einmal zwei Wochen sei dafür zu kurz.

In Katzengruppen herrscht Harmonie im Darm

Die Forscher entdeckten ebenfalls, dass Katzen, die häufiger Kontakt miteinander haben, eine größere Ähnlichkeit hinsichtlich ihres Mikrobioms im Darm aufweisen. Wenn Tiere zusammenleben und dieselbe Umgebung teilen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit eines direkten oder indirekten Kontakts – und der Übertragung von Mikroben zwischen ihnen.

Quelle

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