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Schnurrende Begleiter: Können Roboter-Katzen Demenzpatienten durch die Corona-Zeit helfen?

Der US-Bundesstaat Florida befindet sich aktuell im Corona-Lockdown. Die Bürger sind seit Anfang April angehalten, ihr Haus nur für die nötigsten Besorgungen zu verlassen. Die Situation ist gerade für solche Menschen schwierig, die ohnehin nur wenige soziale Kontakte haben. Alzheimer- und Demenzpatienten gehören zu dieser Gruppe dazu. Wissenschaftler wollen nun testen, ob Roboter-Katzen ihnen aus der Isolation helfen können.

Als Marlys Cordes im Schlafzimmer ihrer Tochter das Licht anmacht, staunt sie nicht schlecht, als sie plötzlich vor einem miauenden Roboter steht. Sie hatte keine Ahnung, wie interaktiv die Spielzeugkatze ‚Silver‘ tatsächlich ist.

‚Silver‘ ist die grau-getigerte, lebensechte Roboter-Katze ihrer 53-jährigen Tochter Christine Hasey. Das elektronische Haustier wurde vor anderthalb Wochen als Überraschung für Christine geliefert. Der Roboter stammt aus dem Demenz- und Alzheimerzentrum der Atlantic-University in Florida.

‚Silver‘ schnurrt, miaut, sie blinzelt und dreht sich um, wenn man nach ihr ruft. Sie ist eine von mehr als 30 Roboter-Katzen, mit denen die Universität Demenz- und Alzheimerpatienten helfen will.

Obwohl an den Katzen schon seit mehr als einem Jahr geforscht wird, werden sie erst jetzt an echten Patienten getestet. Untersucht werden soll, inwieweit die Roboter-Katzen genutzt werden können, um Demenzpatienten aus der durch die Corona-Pandemie verursachten Isolation zu helfen.

Roboter-Katzen sollen die Einsamkeit reduzieren

Die 53-jährige Christine Hasey ist eine der ersten Personen, die solch einen Roboter erhalten hat. Sie leidet an einer durch das Reye-Syndrom verursachten Demenz. Vor Beginn der Quarantäne besuchte sie an fünf Tagen in der Woche eine Therapie im Gedächtniszentrum der Atlantic-Universität.

Eine eigene Roboterkatze hatte sie dort nicht, aber ihr Tag hatte Struktur. Als das Zentrum wegen des Coronavirus auf Teletherapie umstellte, musste Hasey zu Hause bleiben. Dadurch verringerte sich ihre Lebensfreude drastisch.

„Seit das Coronavirus da ist, ist sie nicht sonderlich motiviert, zu Hause eigenständig etwas zu tun“, sagt Mutter Marlys Cordes über ihre Tochter. Ein typischer Tag für die Tochter bestehe darin, „Golden Girls“ -Episoden anzusehen, Kreuzworträtsel zu lösen, Spaziergänge zu machen und zu schlafen.

Doch jetzt, anderthalb Wochen zusammen mit der Roboterkatze ‚Silver‘, verbessere sich ihr Zustand allmählich. Sie spricht regelmäßig mit der Spielzeugkatze, bürstet ihr Fell und schmust mit ihr.

Christine Hasey weiß, dass ‚Silver‘ keine echte Katze ist, aber sie lebt und interagiert mit ihrem Roboter-Haustier so, als ob es ein echtes wäre. Und weil ‚Silver‘ weder Essen fordert, noch das Katzenklo geputzt werden muss, entsteht keine Last für die restliche Familie.

Demenzkranke brauchen nicht nur Pillen

„Mir geht es sehr gut dabei, wenn ich sie mit dieser Katze spielen zu sehen“, sagt Mutter Marlys Cordes. „Ich bin froh, dass sie irgendetwas hat, um ihren Geist und ihren Körper zu stimulieren.“

Christine Haseys kognitive Beeinträchtigung ist mittelschwer. Sie erkennt ihre Umgebung, weiß welcher Tag heute ist, sie kennt das Jahr und den aktuellen Monat. Manchmal streitet sie mit ihrer Mutter, wie jedes Mutter-Tochter-Duo. Doch sie scheint oft in Gedanken versunken und braucht etwas, das sie im Gleichgewicht hält.

Um das Fortschreiten ihrer Demenz zu verlangsamen und ihren Geist so wach wie möglich zu halten, braucht Hasey nicht nur Pillen, sondern auch eine positive soziale Interaktion. ‚Silver‘ sorgt für letzteres.

Roboter-Katzen haben den gleichen Effekt, wie echte Katzen

Lisa Wiese ist Assistenzprofessorin an der Atlantic-University in Florida. Sie sagt, für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung sei es essentiell wichtig, sich ihre Empathie zu bewahren.

Weil Tiere bei Patienten Empathie und andere positive Emotionen auslösen, dachte eine ihrer ehemaligen Studentinnen, dass Roboter-Haustiere das gleiche leisten könnten. Sie hatte recht.

Das Roboterkatzenprojekt, das im vergangenen Sommer erstmals wurde, reduzierte Angst und Depression bei den Patienten im Schnitt um sechs Punkte. Die Gedächtnisfähigkeit verbesserte sich um durchschnittlich zwei Punkte.

Jetzt setzt Melissa Johnston, eine Doktorandin der Atlantic-University, den zweiten Teil des Haustierprojekts fort: Sie wertet aus, wie Roboterkatzen bei Patienten zu Hause die Quarantäne-Zeit erleichtern: „Ich denke Roboterkatzen haben Potenzial, um vielen Menschen zu helfen“.

Autor(in) Cat News

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