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Schlosskater in Rheinsberg: Exklusiv-Interview mit seiner Hoheit Sheldon I.

Seine Hoheit Sheldon I. ist dafür bekannt, nicht ganz so einfach im Umgang mit untertänigen Dosenöffnern zu sein. Unsere Gastautorin Bettina Müller aus Köln hat sich trotzdem unerschrocken auf den Weg nach Rheinsberg ins schöne Brandenburger Land gemacht, um dem adeligen Kater einen Besuch abzustatten. In seinen Gemächern ist ihr sogar ein seltenes Interview mit seiner Majestät gelungen. Viel Spaß beim Lesen!

Von unserer Gastautorin Bettina Müller

Bettina Müller: Herr Sheldon?

 
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Kater Sheldon: Pardon??! Das verbitte ich mir, die korrekte Ansprache lautet: Ihre Hoheit!

Bettina Müller: Verzeihung, Ihre Hoheit. Sie haben sich herabgelassen, uns ein kurzes Interview zu gewähren, wofür wir Ihnen in Anbetracht Ihrer sicherlich knapp bemessenen Zeit äußerst dankbar sind.

Kater Sheldon: So ist es, Frau, … wie war noch mal Ihr Name?

 
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Bettina Müller: Müller.

Kater Sheldon: Ach so. Sie sind vom Fußvolk. Ja, gab es denn keine adlige Reporterin ?

Bettina Müller: … äh, ich fürchte, Sie müssen mit mir Vorlieb nehmen.

Kater Sheldon: Es fällt schwer, aber nun gut, so sei es.

 
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Bettina Müller: Danke… Ihre Hoheit, seit geraumer Zeit sind Sie als Touristenattraktion in Rheinsberg zu größter Beliebtheit aufgestiegen…

Kater Sheldon: Wieso aufgestiegen? Ich war schon immer ausgesprochen attraktiv.

Bettina Müller: Wie auch immer: Touristen suchen Ihre Nähe und lassen sich mit Ihnen fotografieren, Rheinsberger Katzen verlassen in Scharen die Stadt, Kinder wiederum lieben Sie abgöttisch. Wie kommen Sie mit dem Ruhm und vor allem, seinen Schattenseiten, zurecht?

Kater Sheldon: Ach, wissen Sie, ich sehe das ganz gelassen, an die frische Luft muss ich sowieso und wenn ich dann noch freundliche Touristen treffe, die mir Leckerlis bringen, finde ich das völlig in Ordnung und sie sind mir jederzeit herzlich willkommen. Und dekorativ im Gras herumliegen ist nun wirklich nicht schwer, es liegt mir sozusagen im Blut. Ich verbinde also das Angenehme mit dem Nützlichen, das ist meine Philosophie. Das Autogramm-Schreiben, ja , das muss ich allerdings noch üben, es fällt noch schwer.

Bettina Müller: Ich verstehe … Sie wurden schon oft in der Schlossküche gesichtet, sind aber auch im Sommer regelmäßig bei Konzerten im Schlosspark anzutreffen. Warum? Was sind Ihre Beweggründe?

Kater Sheldon: Sehen Sie, auch dort gilt es zu repräsentieren. Das Volk soll wissen, da ist jemand in Rheinsberg, auf den können wir zählen, auf den können wir uns verlassen, er ist für uns da. Daher ist es immens wichtig, sich unter das Fußvolk zu mischen, denn ich will ja auch König der Herzen werden. Repräsentieren ist das A und O meiner Tätigkeit. Das habe ich mir auf die königliche Fahne geschrieben. Und ich nehme meine Aufgabe sehr ernst.

Bettina Müller: Schön.

Kater Sheldon: Ja. Das hoffe ich doch.

Bettina Müller: Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft in Rheinsberg vor? Wo sehen Sie sich in, sagen wir, einem Jahr?

Kater Sheldon: Als Bürgermeister von Rheinsberg. Darüber hinaus fordere ich unbegrenzten Zugang zu der Schlossküche und allen Essensresten, als königliche Hoheit darf mir das nicht verwehrt bleiben. Die Aufsässigkeit meiner Untertanen muss ein Ende haben! Und natürlich Hundeverbot im Schlosspark, die bringen mein Fell immer so in Unordnung, wenn wir raufen und ich sie in die Flucht schlage. Das ist dann nicht gut für das Image. Nun ja, das sind so meine kurzfristigen Pläne, das können Sie auch ruhig so schreiben.

Bettina Müller: Gut. Nun leben Sie ja in unmittelbarer Nähe des Kurt-Tucholsky-Museums…

Kater Sheldon: Ein ganz famoser Mann! Grandios! Würde er noch leben, hätte ich ihn schon längst zum Ehrenbürger ernannt. Man hat mich mal aus Versehen eine Nacht „in sein“ Museum eingeschlossen und so hatte ich sehr viel Zeit, mich mit seinen Werken zu beschäftigen und mir die Ausstellung anzusehen. Ich muss sagen: Chapeau! Nur vor der Totenmaske hatte ich ein bisschen Angst. Mein Lieblingsbuch ist „Der Hund als Untergebener“. Ein absoluter Klassiker. Das Buch habe ich geradezu verschlungen. Und Herr Tucholsky hat ja so Recht. Deswegen plädiere ich eben auch für striktes Hundeverbot im Park. Verdreschen kann ich sie auch außerhalb. Muss ja nicht jeder mitkriegen.

Bettina Müller: Aber sind es nicht eben auch ganz bedauerliche Wesen? Wie sie einen so devot und treu anschauen mit ihren großen Hundeaugen?

Kater Sheldon: Sie meinen treudoof? Wie auch immer. Mir sind sie zu tumb, eine Konversation ist mit ihnen einfach nicht möglich, sie bellen ja gleich los. Intellektuell sind wir ihnen einfach völlig überlegen, das verstehen die nur nicht. Und wenn es regnet, riechen sie komisch, das hält doch keiner aus. Auch da hat bin ich mit Herrn Tucholsky einer Meinung. Und das möchte ich in meinem Park einfach nicht haben. Schauen Sie mein Fell an, da werden Sie keinen einzigen Krümel drin finden, top gepflegt und zart duftend.

Bettina Müller: In der Tat sehr flauschig. Ich bedanke mich für das interessante Gespräch, wünsche Ihnen viel Erfolg und alles Gute für die Zukunft.

Kater Sheldon: Aber bitte gerne doch.

Nach Beendigung des Interviews gestattete mir seine Hoheit noch großzügig, ihn möglichst vorteilhaft abzulichten, bevor er bei Gegenwind mit wehenden Ohren und flatterndem Fell zu seinem nächsten Pressetermin eilte. Ich verabschiedete mich ehrfürchtig mit einem lange einstudierten Hofknicks. Leider verlor ich das Gleichgewicht und fiel um. Noch lange sah ich seiner Hoheit nach. Das Sonnenlicht ließ sein Fell in den schönsten Farben leuchten. Dann ging die Sonne unter.

Weiterlesen: Sheldon I. ist Brandenburgs Katzenstar!

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