Du bist hier
Home > Aktuelle Nachrichten > Katzenfänger unterwegs? Über weiße Lieferwagen, Altkleidersammler und die ‚Katzenmafia‘

Katzenfänger unterwegs? Über weiße Lieferwagen, Altkleidersammler und die ‚Katzenmafia‘

katzenmafia

Seid vorsichtig, Katzenfänger unterwegs in unserer Nachbarschaft! Sobald der Frühling kommt, lassen die ersten Horror-Nachrichten dieser Art nicht lange auf sich warten. In den öffentlichen Aushängen, Facebook-Aufrufen und Zeitungsannoncen ist bisweilen sogar die Rede von einer ‚Katzenmafia‘, die deutschlandweit ihr Unwesen treibe. Deren Auftrag: Versuchstiere für die Industrie fangen, oder aus dem Fell der Katzen Material für Rheumadecken gewinnen. Gibt es tatsächlich eine organisierte Personengruppe, die systematisch freilaufenden Katzen nachstellt?

Aktuell erreichen uns wieder vermehrt Hinweise über unsere sozialen Kanäle, die genau davor warnen.  Für jeden Halter einer Freigängerkatze ist der Gedanke gewiss eine grausame Vorstellung, denn schließlich könnte auch die eigene Samtpfote Opfer werden. Aus diesem Grund werden solche Aufrufe oft bedenkenlos weitergereicht, insbesondere auf Facebook  – lieber einmal zu viel geteilt ist schließlich besser, als einmal zu wenig, so vermutlich der Gedanke.

Tatsächlich meinen es die meisten Menschen wohl gut, wenn sie derartige Aufrufe weiterleiten. Doch was geteilt wird, ist vor allem Panik, denn in Wahrheit scheint es so etwas wie eine ‚Katzenmafia‘ nicht zu geben.

 

Freilaufende Katzen als Versuchstiere für die Forschung?

Als Versuchstiere für Industrie und Forschung sind freilaufende Katzen vollkommen ungeeignet, wie uns Thekla Reese-Schulz, Bio-Chemikerin an der Technischen Universität (TU) Chemnitz, auf Anfrage mitteilt:

„Für Tierversuche kommen generell nur solche Tiere in Frage, die unter standardisierten Bedingungen im Labor aufgewachsen sind. Nur so ist sichergestellt, dass am Ende eines Versuchs auch ein repräsentatives Ergebnis herauskommt.“

Auch die Behauptung, dass die Tiere aufgrund ihres Fells gefangen werden würden, scheint nach genauerer Betrachtung nicht haltbar zu sein: Bereits seit 2008 darf das Fell von Katzen in der gesamten Europäischen Union (EU) nicht mehr verkauft werden, wie der Deutsche Tierschutzbund informiert.

 

‚Katzenmafia‘: Das sagen die Verschwörungs-Experten von Mimikama.net dazu

Die Website Mimikama.net hat es sich zur Aufgabe gemacht, über urbane Mythen aufzuklären und insbesondere Falschmeldungen in sozialen Medien zu entlarven. In ihrem Artikel über Katzenfänger schreiben die Autoren:

„Immer wieder schwören Menschen darauf, dass überall Katzenfänger unterwegs seien, ja teilweise wird die Polizei mit solchen Mythen gebunden, doch nie konnte auch nur einer dieser “flinken” Katzenfänger gefangen werden.“

Trotzdem sitzen selbst Tierschutzvereine immer wieder dem Gerücht auf, dass in Deutschland Katzen einfach so von der Straße weggefangen werden würden und keine öffentliche Stelle etwas dagegen unternehme:

katzenfänger unterwegs

Screenshot: Facebook (öffentlicher Eintrag)

Katzenfänger unterwegs: Der ominöse, weiße Lieferwagen

Kurios: In nahezu allen Aufrufen, in denen vor Katzenfängern gewarnt wird, ist gleichzeitig die Rede von einem ominösen, weissen Lieferwagen. Dieser würde von Straße zu Straße ziehen und die Tiere darin einsammeln – deren Fahrer würden sich zudem häufig als Spendensammler (Altkleider) tarnen.

In einem Fall aus der Region Hannover im Jahr 2009 hatten die anonymen Mahner sogar Codes in der Farbe der Sammelkörbe benannt: Stünde ein blauer Korb vor der Tür, solle ein dort lebender Hund gefangen werden, mit einem roten Korb eine Katze. Großes Pech hätten auch Hausbesitzer mit gelbem Korb vor der Tür, denn der zeige an, dass es sich um ein lohnenswertes Einbruchsobjekt handle. Die Polizei Hannover hatte sich kurz nach dem Aufruf zu einer Stellungnahme veranlasst gesehen, in dem sie davor warnte, die Falschnachricht zu verbreiten.

 

Fazit: Eine ‚Katzenmafia‘ existiert aller Wahrscheinlichkeit nach nicht

Es gibt keine logische Erklärung dafür, weshalb Katzen von umherreisenden Banden von der Straße eingefangen werden sollten. Leidtragende der Geschichten sind wohl vor allem Fahrer von weissen Lieferwagen: Sie dürften sich aufgrund des hartnäckigen Mythos von einer angeblichen ‚Katzenmafia‘ schiefen Blicken und haarsträubenden Behauptungen von Passanten ausgesetzt fühlen.

Darum unsere Bitte an alle Katzenhalter: Teilt derartige Aurfufe auf Facebook nicht weiter! Bis heute hat es keinen einzigen Fall gegeben, in dem Katzenfänger in weissen Lieferwagen überführt werden konnten. Es handelt sich bei der Geschichte um eine moderne Legende, die Menschen wohlmeinend, jedoch vollkommen unhinterfragt, weiterverbreiten.

 

Weiterlesen: Katze von Unbekannten vergiftet? Diese 4 Tipps von Tierrechtaktivisten helfen!

ERHALTE TÄGLICH BEITRÄGE WIE DIESEN, FOLGE UNS AUF FACEBOOK:

Like uns bei Facebook

* Durch Klick auf diesen Button wird eine Verbindung zu Facebook hergestellt, um die Anzahl der bisherigen Likes zu laden.

Ähnliche Beiträge

error: Geschützter Inhalt!