Die fatalen Folgen der Energiekrise: Tierheime vor dem Aus, Tierhaltung bald nur noch für Reiche?

Angesichts der Energiekrise warnt der deutsche Tierschutzbund vor einem totalen Zusammenbruch des Tierschutz in Deutschland. Wenn Strom und Gas fehlen, können Tierheime nicht mehr betrieben werden. Auch private Tierhalter könnten sich hinsichtlich der Versorgung ihrer Haustiere in naher Zukunft mit erheblichen Problemen konfrontiert sehen.

Es ist ein finsteres Bild, welches der deutsche Tierschutzbund zeichnet: Wenn im Herbst und Winter, wie von der Regierung prognostiziert, Strom und Gas knapp werden, könnte dies das Aus für den praktischen Tierschutz in Deutschland bedeuten. Davor warnt Lea Schmitz, Sprecherin des Tierschutzbund, in einem Interview mit der Tagesschau:

„Viele Tierheime sind bereits jetzt vollständig überfüllt, weil sich viele Menschen in der Corona-Zeit unüberlegt Tiere gekauft haben, die jetzt wieder wegmüssen“.

Immer mehr Tierheime haben in den vergangenen Tagen bereits Aufnahmestopps ausgerufen. Kommen nun noch Strom- und Gasmangel hinzu, verschärft das die ohnehin desolate Lage vieler Einrichtungen um ein vielfaches.

Lea Schmitz sagt zu weiteren Aufnahmestopps:

„Das ist kritisch, weil wir dann nicht wissen, wohin mit den Tieren. Gestiegene Futterpreise und Personalkosten belasten die Aufnahmestellen zusätzlich.“

Die Sprecherin betont, dass die Einrichtungen nicht verpflichtet seien, Tiere aufzunehmen. Vielerorts gebe es zwar so genannte Fundtierregelungen mit Gemeinden und Kommunen, doch die darin vertraglich geregelten finanziellen Zuwendungen würden nicht ausreichen, um die gestiegenen Kosten aufzufangen:

„Mit Blick auf die Hilfeleistungen des Bundes bei der Corona-Krise und angesichts der massiven Mehrbelastungen durch den Krieg in der Ukraine, sollten dringend Haushaltsmittel bereitgestellt werden, um den Tierheimen Energie- und Inflationsdruck zu nehmen.“

Gefährdete Futtermittelproduktion und steigende Tierarztgebühren: Massive Schwierigkeiten auch für private Tierhalter befürchtet

Droht unseren Haustieren bald die Hungersnot? Nicht nur die Tierheime leiden, auch Haustierhalter müssen sich auf Konsequenzen durch drohende Energiearmut und steigende Kosten einstellen. Wenn das Gas knapp wird, könnte die Futtermittelproduktion vollständig eingestellt werden, warnt Georg Müller, Sprecher des Industrieverband Heimtierbedarf (IVH), in der BILD Zeitung:

„Die Lage ist wirklich dramatisch: Wenn es in der Branche zu einem Gasstopp kommt, müssen wir die Produktion einstellen.“

Überbrückt werden könnte die Lage mit den bisher hergestellten Vorräten aktuell für zwei bis drei Monate, danach sehe es schlecht aus, schätzt Georg Müller. Von „unabsehbaren Folgen für Haustiere und Kunden“ geht auch der Chef der Fressnapf-Filialen, Johannes Steegmann, aus. Seiner Einschätzung nach würden die Futterbestände nur noch für rund einen Monat reichen.

Und als ob das alles noch nicht genug wäre, hat das Bundesagrarministerium jetzt auch noch einer Erhöhung der Tierarztgebühren ab Oktober zugestimmt.

Der Grund: Medizinische Versorgung und Diagnostik samt neuer Techniken in der Tiermedizin würden stetig teurer werden. Die Kosten für die Behandlung von Tieren würden zwar überwiegend steigen, jedoch ermögliche dies gleichzeitig den Fortbestand vieler Tierarztpraxen, heißt es. Die Neufassung der Tierärztegebührenordnung muss noch vom Bundesrat beschlossen werden, wird aber voraussichtlich kommen.

Müssen Hunde und Katzen wegen des steigenden Kostendrucks nun weg? Lea Schmitz vom Tierschutzbund vermutet, eher nein:

„Menschen, die ihre Tiere wirklich lieben, tun meist alles dafür, um diese auch bei sich zu behalten. Ihren Tiere zuliebe stecken sie lieber selbst zurück.“

Foto: kitty.green66 / Cat and Dog / CC-BY SA 2.0

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