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Katzen erziehen mit Clickertraining: Was ein Profi für den Start empfiehlt

clickertraining

Wer seine Katzen erziehen möchte, findet mit den Methoden des Clickertrainings eine hervorragende Möglichkeit. Bekannt ist es vor allem unter Hundefans, doch auch bei Katzenhaltern wird es immer beliebter. Cat-News hat darum für Euch mit der Clicker-Expertin und Buchautorin Jasmin Lindner zum Thema gesprochen.

Was ist Clickertraining für Katzen eigentlich genau? Wie funktioniert es und warum tut es Katzen gut? Von Verhaltensexperten wird das Training mit dem Clicker gerade für Wohnungskatzen empfohlen.

Vor allem deshalb, weil die Tiere in der menschlichen Umgebung weniger Reizen ausgesetzt sind und das im Alltag zu allerlei Verhaltensstörungen führen kann.

Wohnungskatzen langweilen sich schneller, werden mitunter lethargisch und können in der Folge Störungen entwickeln. Dazu zählen etwa übermäßiges Putzen (‚Overgrooming‚) oder Urinieren außerhalb des Katzenklos.

clickertraining

Übungen mit dem Clicker können solchen Störungen vorbeugen: Sie halten den Geist fit, in dem sie die Intelligenz der Tiere herausfordern. Wer regelmäßig mit seinen Katzen trainiert, kann natürlich auch für eine bessere körperliche Auslastung sorgen und durch die gemeinsame Aktivität eine engere Bindung zu seinen Katzen aufbauen.

Für die Clicker-Expertin Jasmin Lindner bedeutet das Training mit Katzen vor allem, dass Mensch und Katze mehr gemeinsame Qualitätszeit miteinander verbringen können!

Ihre besten Tipps zum Thema und wie man eigentlich genau mit dem Clickertraining für Katzen beginnt, hat sie uns in einem Interview verraten. So viel sei schon einmal gesagt: Ein Abschluss in Katzenpsychologie ist nicht erforderlich 😉

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Cat-News: Was benötigen Katzenhalter, um mit dem Clickertraining zu starten?

Jasmin Lindner: Einen Clicker oder einen so genannten Targetstab mit Clicker, eine Katze, ein paar Leckerchen und ein bisschen Zeit.

Clickertraining mit Jasmin Lindner

Cat-News: Ab welchem Alter können Katzen das Training mit dem Clicker lernen?

Jasmin Lindner: Prinzipiell gibt es keine starren Altersgrenzen. Man kann schon mit Kitten trainieren, sobald diese feste Nahrung zu sich nehmen und auch Senioren können so lange beim Training mitmachen, wie sie Lust dazu haben. Je nach Alter, Krankheit oder Einschränkung kann man das Clickertraining individuell anpassen, so dass auch wirklich jede Katze Spaß daran hat.

Cat-News: Wie beginnt man am besten mit dem Training?

Jasmin Lindner: Bei anfänglicher Unsicherheit macht die Anschaffung eines Clicker-Buchs Sinn oder auch das Gespräch mit jemandem, der sich mit der Thematik schon auskennt. Interessant ist natürlich auch ein Clicker-Kurs speziell für Katzen, den wir beispielsweise in unserem Tierheim anbieten. Da kann man direkt sehen, wie das Clickern funktioniert und erlebt gleich noch verschiedene Katzen- Clicker- Charaktere.

 

Verhaltenskonditionierung mit dem Clicker: Von Hunden, über Delfine bis hin zu Katzen

Die Methode stammt aus dem Bereich der Verhaltenspsychologie und wurde ursprünglich zur Konditionierung von Delfinen in der Delfintherapie in den 1960er Jahren entwickelt. Als ‚Erfinder‘ des Prinzips gilt jedoch der russische Forscher Iwan Petrowitsch Pawlow. Ihm war es schon 1927 gelungen, Hunde mit Hilfe eines spezifischen Geräuschs auf ein bestimmtes Verhalten hin zu konditionieren.

Auch das Katzen Verhalten lässt sich konditionieren. Zeigt eine Katze ein gewünschtes Verhalten, ertönt ein Signal. Direkt im Anschluss erhält das Tier eine Belohnung. Damit sich ein Lerneffekt einstellen kann, soll eine Übung bis zu zehnmal wiederholt werden. Wichtig: Das Click-Geräusch muss immer mit nachfolgender Belohnung ertönen, damit die Katze den Zusammenhang entsprechend abspeichern kann.

Cat-News: Gibt es Unterschiede im Training von jungen und älteren Katzen?

Jasmin Lindner: Witzigerweise fast gar nicht. Junge Katzen haben anfangs Konzentrationsprobleme, weil sie sich gerne von allen möglichen Reizen ablenken lassen, die das Leben für sie zu bieten hat.

Bei älteren Katzen lässt dagegen oft die Konzentrationsleistung nach und sie haben manchmal Probleme, sich auf eine bestimmte Sache zu fokussieren. Da sich das Clickertraining aber individuell für jede Mieze anpassen lässt, stellt dies eigentlich kein Problem dar.

Cat-News: Wie lange sollten Trainingseinheiten dauern?

Jasmin Lindner: Das hängt von den Katzen ab, aber in der Regel nicht länger als 5 Minuten, da die Konzentrationsspanne auch bei Katzen nicht ewig hält. Wenn die Katze mehrmals während der Clicker-Session stiften geht, weil es ihr langweilig wird, ist as Ziel verfehlt.

Cat-News: Lässt sich auch mit mehreren Katzen gleichzeitig trainieren?

Jasmin Lindner: Man kann sehr gut mit mehreren Katzen gleichzeitig trainieren und das macht eigentlich auch am meisten Spaß. Prinzipiell ist es günstig, wenn man schon ein wenig im Clicker-Thema ist, bevor man mit zwei oder noch mehr Katzen gleichzeitig clickert, da man als Mensch schon ein bisschen pfiffig sein muss, um alle perfekt und zeitnah zu belohnen 😉 Dies ist dann eine interessante Herausforderung für den Menschen.

Cat-News: Wie kann man Katzen zum Weitermachen animieren, wenn sie abgelenkt sind?

Jasmin Lindner: Das klappt ganz gut mit ruhigem Ansprechen, einer Handbewegung oder einem leisen Schnalzgeräusch. Clickern, um die Aufmerksamkeit der Katze zu bekommen, ist keine gute Idee. Wenn eine Katze tatsächlich keine Lust mehr hat, sollte man das Ende der Clicker-Session einläuten und beim nächsten Mal kürzer zu halten, damit man als Mensch das Ende bestimmen kann.

Cat-News: Soll man immer mit Belohnungen arbeiten? Oder reicht einer Katze irgendwann das Click-Geräusch aus, um eine bestimmte Handlung zu zeigen?

Jasmin Lindner: Das Click-Geräusch dient beim Training als eine Art Marker-Signal, welches der Katze zeigt, dass sie im Moment des Clicks etwas ganz toll und richtig macht und sich daraufhin eine Belohnung verdient hat. Ob es immer eine Belohnung geben muss, dazu gibt es verschiedene Ansichten.

Ich persönlich empfinde es als absolut fair und sinnvoll, eine Katze nach jedem Click mit einem kleinen Leckerchen zu belohnen. Für fortgeschrittene Katzen sind auch andere Modelle der Belohnung denkbar und interessant, aber für den „normalen Hausgebrauch“ stellt die Belohnung mit dem Leckerchen nach jedem Click die beste Variante dar.

Cat-News: Kann man mit Clickertraining einer Katze auch die Angst vor dem Tierarzt abgewöhnen?

Jasmin Lindner: Das ist sogar ein wichtiges Einsatzgebiet des Clickertrainings! Beim so genannten „Medical Training“ lernen Katzen, dass medizinische Handlungen nicht unangenehm sein müssen. Hierbei kann man der Katze zum Beispiel beibringen, sich stressfrei am ganzen Körper anfassen zu lassen, sich die Krallen stutzen zu lassen (was auch im Alltag nötig sein kann), still zu halten oder eben auch die Angst vor der Transportbox zu verlieren – und vieles mehr.

Cat-News: Gibt es auch No-Gos beim Training mit dem Clicker?

Jasmin Lindner: Beim Clickern sollte ausschließlich mit positiver Verstärkung gearbeitet werden. Es gibt also weder ein NEIN, noch irgendwelche Strafen. Jegliches positive und gewünschte Verhalten wird mit einem Click belohnt, alles andere wird einfach ignoriert. Hilfreich ist es, wenn man als Mensch an seiner Geduld arbeitet und sich beim Training immer achtsam gegenüber dem Tier verhält.

Das verrät die Clickertraining-Expertin Jasmin Lindner über sich, ihre Motivation, mit Katzen zu trainieren und wie sie eigentlich „auf die Katze gekommen“ ist:

„Ihr fragt Euch sicher, wie ich auf die Katze gekommen bin?! Ganz einfach: Ich wurde in eine katzenaffine Familie mit Kater Tuzi hineingeboren und hatte somit die Liebe zu Katzen einfach schon im Blut. Und dafür bin ich meinen Eltern unendlich dankbar 😉 „

Clickertraining für Katzen

 

„Mich findet man natürlich auch online, viel häufiger aber offline und zwar im Katzenhaus im Tierheim Gelsenkirchen. Dort arbeite ich seit ein paar Jahren hauptamtlich in der Verwaltung und zusätzlich seit mehr als 16 Jahren ehrenamtlich mit verhaltensauffälligen Katzen.“

 

Jasmin Lindner Clickertraining

 

„Die Erlöse aus dem Buch Simsalabim, 3 x schwarzer Kater: Clickern ganz ohne Zauberei, welches ich gemeinsam mit Miriam Knischewski geschrieben habe, gehen übrigens zu 100 Prozent auf das Konto zum Neubau unseres Katzenhauses.“

 

Video „Clickertraining für die Katze“ (WDR):

Hinweis: Alle Fotos im Artikel unterliegen dem Urheberrecht von Jasmin Lindner und Anna Bohr und dürfen mit nur mit Genehmigung verwendet werden.

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