Australien: Um Katzen zu reduzieren, lassen Wissenschaftler ihre Beute tödlich werden

Einheimische Tiere sind eine leichte Beute für Katzen in Australien

Nicht nur in Deutschland, auch in Australien sind freilaufende Katzen Natur- und Umweltschützern ein Dorn im Auge. In Australien geht es um mehr, als um den Schutz bestimmter Vogelarten und auch die Methoden sind brachialer.

Bevor Europäer im 18. Jahrhundert den fünften Kontinent besiedelten, hatten heimische Tierarten, von denen es viele ausschließlich in Australien gibt, praktisch keine Gefahren durch natürliche Fressfeinde zu fürchten. Das änderte sich mit der Ankunft der ersten Siedler, die neben ihren Familien auch zahlreiche Stubentiger mit auf die Insel brachten.

Zum Leidwesen heimischer Tierarten, leben viele Nachfahren dieser Katzen heutzutage wild im australischen Outback – für die einmalige Fauna des Kontinents ist das womöglich nicht ohne Folgen geblieben: Unzählige Arten gelten heute als ausgestorben und jährlich wird der Kontinent artenärmer. 2021 verlängerte sich die Liste der ausgestorbenen Tierarten um 13 weitere Einträge.

Welchen Anteil Katzen am Artenschwund tatsächlich haben (und nicht etwa die zunehmende Klimakrise und Umweltverschmutzung ursächlich sind), ist unterdessen hüben wie drüben nicht so genau bekannt. Australische Umweltschützer und Politiker hatten in den vergangenen Jahren trotzdem einiges unternommen, um die Anzahl wildlebender Katzen zu reduzieren.

Und auch für Hauskatzen wurden die Regeln bereits strenger: Im Jahr 2020 hatten mehrere Gemeinden eine generelle Leinenpflicht für Katzen erlassen.

Wildlebende Katzen in Australien: Vom Wurstköder zum Gift-Implantat

Die Methoden zur Eindämmung des Katzenproblems dürfte Katzenliebhabern brachial erscheinen. So sollten etwa vergiftete Wurst-Köder helfen, die Anzahl der eingeschleusten Raubtiere zu verringern. Um zu erfahren, wo genau diese sich auf dem immerhin rund 8 Millionen Quadratkilometer großen Kontinent aufhalten, hatte die Regierung die Katzen-Populationen sogar per Satellitensystem aus dem Weltall observieren lassen.

Weil das offenbar noch nicht zum gewünschten Erfolg führte, gehen die australischen Behörden nun noch einen Schritt weiter. Ihr neuester Streich sind Gift absondernde Implantate, welche potenziellen Beutetieren verpflanzt werden können. Entwickelt wurde die Methode von der University of South Australia.

Eine erste Teststudie, bei der Vertretern des Kaninchennasenbeutlers Bilby entsprechende Implantate injiziert wurden, könne bereits erste Ergebnisse vorweisen, heißt es in der Fachzeitschrift ‚ACS Applied Polymer Materials‘, die von dem Wissenschafts-Portal phys.org zitiert wird.

Das verwendete Gift, das lediglich als ‚Gift 1080‘ bezeichnet wird, ist für Bilbies nicht toxisch. Verzehrt jedoch eine Katze nur kleinste Mengen davon, so bedeutet dies ihr Todesurteil. Um die Effektivität des Gift-Implantats zu testen, errichteten Forscher ein umzäuntes Freigehege für Bilbies – in der Hoffnung, dass freilebende Katzen dieses auf ihrer Suche nach Futter überwinden würden.

Ein unerwartetes Ereignis kommt den Forschern dazwischen

Diese Hoffnung blieb jedoch aus und der Grund dürfte Katzenfreunde zum Schmunzeln bringen: In der Gegend des Versuchsgebietes nahm nämlich zeitgleich eine epochale Mäuseplage ihren Anfang. Für die Katzen gab es damit wenig Grund, sich der anstrengenden Beutejagd mehr als unbedingt nötig zu widmen. Der Versuch wurde abgebrochen.

Was bleibt, sind vor allem ethische Fragen, denn über die Auswirkungen des verwendeten Gifts auf Umwelt und Natur ist bisher so gut wie nichts bekannt. Ungeachtet dessen sollen die Versuche mit ‚Gift 1080‘ wohl demnächst fortgesetzt werden.

 

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