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In Japan werden Katzen verehrt. Doch die Tierliebe hat eine dunkle Seite

Die Japaner haben Hello Kitty, die fröhlich-winkende Glückskatze Maneki-Neko, Katzengötter und zahlreiche Katzen-Streichel-Cafés. Keine Frage, Katzen sind in Japan äußerst beliebt und werden von vielen regelrecht verehrt. Doch die japanische Katzenliebe hat eine dunkle Seite.

 
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Japaner lieben Katzen, doch aufgrund der beengten Wohnsituation in den Großstädten des Landes, können die meisten dort keine eigenen Haustiere halten. Wer zum Beispiel in der Hauptstadt Tokyo lebt, muss oft mit weniger als 10 Quadratmetern auskommen.

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Viele haben auch gar keine Zeit, sich entsprechend um ein Haustier kümmern zu können. Manche Japaner bestehen sogar darauf, auf ihren Urlaubsanspruch verzichten zu dürfen, um mehr für ihre Firma arbeiten zu können und ihr auf diese Weise eine Ehre zu erweisen. Um trotzdem ab und zu mit Katzen zusammen sein zu können, zieht es viele in ihrer knappen Freizeit in ein Katzen-Café.

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Nicht verkaufte Katzenbabies werden „entsorgt“

Doch es gibt auch Japaner, die nicht auf ein eigenes Haustier verzichten wollen. Und so werden in zahlreichen Zoohandlungen Katzen angeboten. Das Geschäft mit Katzen als Ware ist aufgrund ihrer allgemeinen Beliebtheit ein sehr ertragreiches. Gefragt sind natürlich vor allem süße Katzenbabies. Werden Katzen älter, haben sie praktisch keine Chance mehr, einen Käufer zu finden. Sie werden dann auf eine sehr unschöne Art und Weise „entsorgt“.

Ältere Katzen werden durch junge ersetzt

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Das gleiche gilt für Katzen, die von ihren Haltern nicht mehr gewollt sind. Leider ist es in Japan für viele Leute normal, eine ältere Katze früher oder später durch ein Jungtier zu ersetzen. Nur wenige Katzen bekommen die Chance, in ihrer ursprünglichen Famlie alt zu werden.

Ältere Katzen werden dann im nächsten Tierheim abgegeben, wo sie dann zusammen mit den „überflüssigen“ Katzen aus den Zoohandlungen vergast werden, sollten sie nicht rechtzeitig weitervermittelt werden. Dazu gibt man ihnen eine Woche Zeit. Und so kommt es, dass in Japan alljährlich bis zu 600.000 Hunde und Katzen getötet werden, weil sie überflüssig erscheinen.

Pilger besuchen Katzen-Schreine

Gleichzeitg werden Katzen im japanischen Shinto-Glauben als Gottheiten verehrt. An manchen Orten gibt es einmal im Jahr eine Zeremonie, zu der ein Shinto-Priester an einem Katzenschrein die Namen aller im Vorjahr verstorbenen Katzen des Ortes vorliest. An den übrigen Tagen kann man Pilger an den Schreinen beobachten, die kleine Tafeln mit einem Segen für ihr Haustier dort ablegen.

 
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flcikr / xy / CC-BY- flickr / Guilhem Vellut / CC-BY-2.0

Wie passt die Verehrung von Katzen einerseits und die grausame Tötung andererseits zusammen? Wakana Masayuki ist der Leiter „Beratungsstelle für Tierliebe und Tierschutz“, die in Wahrheit eine Tötungsanstalt für Hunde und Katzen ist. Er sagt, dass man alles tue, um die Tier zu retten. Es fehle jedoch an Geld, Platz und Personal, um sich um alle Tiere kümmern zu können.

Längst nicht alle Japaner befürworten die Tötungen

Es werden einfach zuviele Tiere in Japan gezüchtet, glaubt der Leiter der „Beratungsstelle“. Bei 128 Millionen Einwohnern soll es an die 23 Millionen Haustiere in Japan geben. Gaskammern seien die effizienteste Lösung, um „überschüssige“ Tiere los zu werden. Jedes Tier einzeln einschläfern zu lassen, könne Wakana Masayuki seinen Mitarbeitern nicht zumuten. Zwar soll es 108 Gaskammern für herrenlose Tier ganzen Land geben, doch sind längst nicht alle Bürger mit den Tötungen einverstanden.

flickr / xy / CC-BY-2.0 flickr / istolethetv / CC-BY-2.0

Umfragen zufolge hält nur ein Drittel der Japaner die Vergasungen für richtig. Ein Drittel der Bevölkerung hat Mitleid mit den Tieren, sieht aber keine Alternative zur Lösung dieses Problems. Ein weiteres Drittel ist strikt gegen die Vergasung von Katzen.

Neue Hoffnung für Japans ungewollte Katzen?

Derzeit kommt ein neuer Trend in Bewegung, der herrenlosen Katzen Hoffnung geben könnte: Während in den Katzencafés bisher vor allem reinrassige Katzen von Züchtern oder aus Zoohandlungen um die Beine der Gäste streiften, ziehen nun vielerorts Streuner-Katzen ein.

Im April dieses Jahres eröffnete in Osaka das erste Katzencafé, in dem ausschließlich gerettete Katzen leben. Schon einen Monat später eröffnete der gleiche Betreiber, „Neco Republic“ (Katzenrepublik), ein weiteres Café in der Hauptstadt Tokyo. Frewillige versorgen dort die Katzen mit allem, was sie zum Glücklichsein brauchen. Gefällt einem Besucher eine Katze, kann er sie direkt adoptieren. Demnächst will „Neco Republic“ weitere Adoptions-Cafés eröffnen.

Featured Image: flickr / Daniel Rubio / CC-BY-2.0

 

 
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