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#CatSquare – Was finden Katzen an Rechtecken auf dem Boden so interessant?

Es ist noch gar nicht so lange her, dass im World Wide Web unzählige Videos die Runde machten, in denen zu sehen ist, wie sich Katzen vor Gurken erschrecken. Nachdem mehrere Katzenexperten jedoch ausdrücklich davor warnten, die eigene Katze mit einer Gurke zu erschrecken, ebbte der Trend nach einigen Wochen rasch wieder ab.

Seit ein paar Tagen kursiert im Internet unter dem Hashtag #CatSquare nun jedoch ein neuer Trend: Bilder in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Instagram, die mit diesem Hashtag versehen werden, zeigen allesamt Katzen in einer besonderen Position. Sie sitzen mitten in einem farbigen, auf den Boden geklebten Rechteck.

Dabei lassen sich unsere Samtpfoten normalerweise gar nicht dressieren. Während Hunde unseren Kommandos brav folgen, sind Katzen eigentlich eher für ihren starken eigenen Willen bekannt. Unseren Wünschen beugen sie sich nur selten. Wie also schaffen die zahlreichen Katzenbesitzer es, ihre Tiere dazu zu bewegen, sich in das Rechteck am Boden zu setzen? Welche Faszination geht für die Stubentiger von diesem Rechteck aus? Wir sind diesem neuen Katzenphänomen auf den Grund gegangen.

Wie der #Catsquare Trend das Internet begeistert

„Es gibt zwei Möglichkeiten, dem Elend der Welt zu entfliehen: die Musik und die Katzen.“ Dieser Meinung ist auch das Team von purina-gourmet.de, das die schönsten Katzen-Zitate gesammelt hat. Dieses Zitat, das ursprünglich von Albert Schweitzer stammt, sagt schon aus, wie viel Freude uns unsere Samtpfoten tagtäglich bereiten. Doch wer glaubt, schon alles über die sanftmütigen Tiere zu wissen, der irrt.

Die kleinen Stubentiger sorgen immer wieder für neue Überraschungen, wie jetzt der neue #CatSquare-Trend beweist. Erstmals auf die Idee kam wohl die Internetnutzern Danielle Matheson, nachdem sie im Internet darüber gelesen hatte. Wie Radio Regenbogen berichtet, hat sie auf Twitter ein Foto einer in einem Rechteck sitzenden Katze gepostet, das viele ihrer Follower zum Nachahmen verleitete. Dadurch entstand ein regelrechter Hype. Auch in anderen Netzwerken wie Facebook und Instagram findet man unter dem Hashtag unzählige Bilder mit Katzen, die in einem Rechteck sitzen. Sogar auf YouTube gibt es zu diesem Thema eine Vielzahl von amüsanten Videos.

Das Rechteck als Karton- oder Körbchen-Ersatz?

Fast scheint es, als übe das Rechteck am Boden auf Katzen eine ähnlich hohe Faszination aus wie Baldrian, die Nummer 1 unter den Katzendrogen. Doch wie lässt sich dieses Phänomen erklären? Warum setzen sich die meisten Katzen schon nach kurzer Zeit freiwillig in das Rechteck? Das Magazin Discover hat dafür eine ganz einfache Erklärung: Die Rechtecke erinnern die Katzen an Kartons, die sie bekanntermaßen ebenfalls sehr lieben.

Kartons und Körbchen vermitteln Katzen ein heimeliges Gefühl von Geborgenheit und Enge – fast so wie damals im Mutterleib. Aus optischer Sicht macht es für die Samtpfoten nämlich kaum einen Unterschied, ob es sich um ein 2D-Rechteck oder um einen echten Karton handelt. Als Jäger verfügen Katzen über Augen, die auf die schnelle Wahrnehmung von Bewegungen angepasst sind. Die Unterscheidung von 2D und 3D spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Katzen betrachten das Rechteck am Boden demnach als Karton oder Körbchen, weshalb sie sich freiwillig in die Mitte setzen. In diesem Punkt sind sich zumindest die Verhaltensbiologen vom Discover-Magazin einig.

Experten sind skeptisch: Zieht das Rechteck einfach nur neugierige Katzen an?

Doch Marina Scheumann, die an der Tierärztlichen Hochschule Hannover tätig ist, bleibt skeptisch. Sie hat sich mehrere YouTube-Videos zu dem Thema angesehen und kommt zu einem anderen Schluss: Ihrer Meinung nach ist das Rechteck kein Ersatz für den Karton oder das Körbchen. Sie geht eher davon aus, dass die Tiere das Rechteck einfach interessant finden und es deshalb genauer untersuchen. Tatsächlich stellt das auf den Boden geklebte Rechteck eine Veränderung im Revier der Katze dar. Die meisten Stubentiger reagieren darauf mit Neugier.

Marina Scheumann vermutet, dass es von den scheuen und ängstlichen Katzen, die dem Rechteck auf dem Boden eher ausweichen und schnell das Weite suchen, nur kaum Bilder- und Video-Beweise gibt. Dieses Phänomen, dass positive Ereignisse eher geteilt werden als negative, bezeichnet man in der Wissenschaft auch als „Publication Bias“. Deshalb entsteht der Eindruck, dass alle Katzen von dem Rechteck am Boden magisch angezogen würden.

Die Aussage, dass Katzen auf den „Cat-Square“ mit Faszination reagieren, weil das Rechteck sie an einen Karton erinnert, lässt sich ganz einfach überprüfen: Dafür müsst ihr nur einen einzelnen Streifen auf den Boden kleben, der kein Rechteck bildet, sondern beispielsweise ein L oder eine einfache Linie. Die meisten Katzen würden auch auf diesen Streifen mit Neugier reagieren.

Dafür, dass die Katzen am liebsten in der Mitte des Rechtecks sitzen, gibt es ebenfalls eine einfache Erklärung: Von hier aus haben sie die beste Kontrolle über ihr neues Spielobjekt und können es deshalb auch leichter verteidigen – etwa vor anderen Katzen im Haushalt oder vor ihrem Besitzer.